Wellness
Wellness-Anbieter in NRW legen trotz Krise zu
Düsseldorf. (ddp-nrw). Raus aus dem Stress und rein in die Badelatschen: Auch in der Wirtschaftskrise wird in Nordrhein-Westfalen Wert auf Entspannung und Erholung gelegt. Kurze «Auszeiten» von der Hektik am Arbeitsplatz sind dabei gefragter denn je. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur ddp zufolge verzeichnen Wellness-Anbieter wie Hotels und Erholungsbäder eine deutlich gestiegene Nachfrage.
Das Freizeitbad monte mare in Rheinbach muss demnach bereits Gäste für seine ganztätigen «Rundum-Sorglos-Pakete» mit Wartelisten vertrösten. Im Düsseldorfer Hotel Gut Höhne ist den Angaben zufolge der Wellnessbetrieb im Gegensatz zum stark rückläufigen Tagungsgeschäft zu 100 Prozent ausgelastet. Auch in den Kölner Claudius Therme ist von Krisenstimmung keine Spur: «Wir haben das Gefühl, dass die Leute weniger Urlaub und dafür mehr Tagesausflüge machen und zum Beispiel zu uns kommen», sagt Wellnessleiterin Julia Nicolaus. Die Besucherzahlen seien in diesem Sommer erstmals nicht rückläufig.
Das Babor Institut am Aachener Dom verzeichnet vor allem bei Gästen von Anfang bis Mitte 20 einen Zuwachs. Berufstätige buchten häufig auch nur eine «Businessbehandlung» von 45 Minuten nach der Arbeit, sagt Geschäftsführerin Astrid Rissen.
Die Auslastung in der Wellness-Hotellerie sei derzeit sehr gut, heißt es vom Deutschen Wellness Verband in Düsseldorf. «Wir vermuten sogar, dass die Menschen in Zeiten der Krise Streicheleinheiten brauchen», sagt der Vorstandsvorsitzende Lutz Hertel. Allerdings wählten die Gäste vermehrt günstige Pakete und kürzere Aufenthaltszeiten. Im Schnitt bleibe ein Wellness-Urlauber 2,6 Tage.
Die Gesundheitsagentur NRW, die die 30 nordrhein-westfälischen Kurbäder vermarktet, stellt sich auf eine sprunghaft steigende Nachfrage erst in den nächsten drei Monaten ein. Dann schlügen sich die krisenbedingten Belastungen und der Erholungsbedarf der Menschen erst richtig nieder, vermutet Geschäftsführer Hans-Joachim Bädorf. «Dann sind wir in der Phase, wo die Leute sagen, ich muss was für mich selbst tun, sonst stehe ich das nicht durch.»
Verlängerte Arbeitszeiten und eine steigende Belastung am Arbeitsplatz in wirtschaftlich schwierigen Zeiten - dies spiele der Gesundheitswirtschaft in die Karten, betont Bädorf. Die Agentur registriere eine sprunghafte Zunahme an Fällen mit Burn-Out-Syndrom und damit verbundenen Nebenerscheinungen. «Die Anfragen werden immer zielgerichteter«, sagt Bädorf. »'Ich habe Essstörungen, bin ausgelaugt, kann nicht mehr schlafen', heißt es.» Die Branche müsse sich deshalb darauf einstellen, ihr Angebot medizinisch noch vielfältiger zu gestalten.
Experten aus Politik und Wissenschaft warnen unterdessen vor Engpässen in der Gesundheitswirtschaft angesichts der wachsenden Nachfrage. In einem Memorandum «Mehr Gesundheit wagen» vom Institut Arbeit und Technik in Gelsenkirchen, der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Gewerkschaft ver.di heißt es, angesichts der steigenden Nachfrage nach Gesunderhaltung, Heilung und Pflege könnten in den nächsten 15 bis 20 Jahren in der Gesundheitswirtschaft bis zu eine Million zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.
Wellness-Verbandschef Hertel sieht auch für Nordrhein-Westfalen noch Nachholbedarf: «NRW ist kein Wellnessland. Das ist ein politisches Versäumnis, im bevölkerungsreichsten Bundesland nicht auf Gesundheitstourismus zu setzen.» Im Ranking der Wellnessländer liege NRW abgeschlagen hinter Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg und vier weiteren Bundesländern. In den Katalogen führender Tourismusanbieter seien nur elf Wellness-Hotels in NRW aufgeführt.
Von ddp-Korrespondentin Karoline von Graevenitz
(Redaktion)
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