Arcandor
Eigentümer stellen sich stur - Arcandor stellt Insolvenzantrag
Essen/Berlin. (ddp). Nach der Weigerung der Großaktionäre Schickedanz und Sal.Oppenheim, mehr Geld in die Rettung von Arcandor zu investieren, hat der traditionsreiche Essener Handelskonzern am Dienstag Insolvenz angemeldet. Der Antrag auf Gläubigerschutz des früher unter KarstadtQuelle firmierenden Unternehmens ging am Mittag beim Essener Amtsgericht ein. Betroffen sind in Deutschland rund 43 000 Angestellte. Vom Insolvenzverfahren unberührt bleiben das Touristik-Unternehmen Thomas Cook, an dem Arcandor 52 Prozent hält, die Spezialversender sowie der Homeshopping-Sender HSE24.
Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski sagte, Ziel des Insolvenzplanes sei, die begonnene Sanierung fortzusetzen und den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Der Insolvenzantrag sei erforderlich gewesen, weil die Anträge auf Staatshilfe abgelehnt worden seien und Nachbesserungen nicht erreichbar gewesen seien. Am Freitag fällige Darlehen in Höhe von 710 Millionen Euro könnten damit nicht bedient werden.
Dem Sprecher zufolge sind die Gehälter der Angestellten durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit bis August gesichert. Mit Blick auf die Kunden sagte der Sprecher, der operative Geschäftsbetrieb bleibe in vollem Umfang erhalten. Kundenbestellungen im Versandhandel würden weiter ausgeführt, Garantie- und Rückgaberegelungen hätten weiter Bestand. Geleistete Anzahlungen blieben bestehen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht in der Insolvenz die Chance für einen Neuanfang. Der Schritt sei unvermeidlich gewesen, sagte sie in Berlin. Die Zusagen der Eigentümer und Gläubiger hätten nicht ausgereicht. Nun gehe es darum, den Konzern auf neue Füße zu stellen, sagte sie mit Blick auf die Möglichkeit eines Zusammengehens von Arcandor mit anderen Unternehmen. Dabei nannte sie ausdrücklich den Handelskonzern Metro. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) werde in Kürze Gespräche zur möglichen politischen Begleitung führen, sagte Merkel weiter.
SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sagte, er bedauere, dass es seitens der Eigentümer, Banken und Immobilieninvestment-Gesellschaften «keine hinreichende Bereitschaft» gegeben habe, sich mit einen eigenen, substanziellen Beitrag an der Rettung des Unternehmens zu beteiligen. Die SPD werde auch weiterhin an der Seite der Beschäftigten stehen. Diese hätten es «nicht verdient, dass Missmanagement und mangelndes Engagement jetzt auf Ihren Schultern abgeladen werden».
Die stellvertretende Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Margret Mönig-Raane, kritisierte ebenfalls die Rolle der Eigentümer. Die Beschäftigten hätten in den vergangenen Jahren auf wesentliche Einkommensbestandteile verzichtet. »Ein entsprechend großes Engagement hätten wir auch von den anderen Akteuren erwartet«, sagte die Gewerkschafterin.
Am Montag hatte die Bundesregierung Anträge von Arcandor auf Staatsbürgschaften in Höhe von 650 Millionen Euro und eine Rettungsbürgschaft über 437 Millionen Euro abgelehnt, aber die Prüfung eines nachgebesserten Antrags in Aussicht gestellt. Bundeswirtschaftsminister Guttenberg hatte am Dienstagmorgen erklärt, die von den Hauptaktionären in Aussicht gestellte Kapitalerhöhung von 150 Millionen Euro erfülle in keiner Weise die von der Regierung immer wieder geforderte verstärkte Beteiligung der Eigentümer an dem Rettungskonzept.
Für Sal. Oppenheim erklärte Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Konzernholding, das Bankhaus sei im Rahmen des Arcandor-Engagements bereit gewesen, «bis an die Grenzen des Machbaren zu gehen». Ein höherer Beitrag als die Kapitalerhöhung über 150 Millionen Euro sei für eine familiengeführte Privatbank auch angesichts des schon in der Vergangenheit geleisteten Engagements nicht mehr verantwortbar gewesen, sagte der Oppenheim-Gesellschafter und Arcandor-Aufsichtsratsvorsitzende Friedrich Carl Janssen.
Die Düsseldorfer Metro-Gruppe, der die Kaufhof-Warenhäuser gehören, drängt indes auf eine schnelle Wiederaufnahme der Gespräche mit Arcandor. Die Rettung der Karstadt-Warenhäuser dürfe nicht durch die Insolvenz bei Arcandor verzögert werden, sagte Konzernsprecher Michael Inacker. An dem Konzept zur Übernahme von etwa 60 Karstadt-Standorten und damit zur Rettung der großen Mehrheit der Arbeitsplätze halte Metro unverändert fest.
Von Michael Wojtek
(Redaktion)
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