15.12.2008  08:48 Uhr

Barbara Deisenrieder
Konsequent, ehrgeizig und erfolgreich

Köln-Bonn. Man muss auch mal "Hier" rufen, wenn man in einer Männerdomäne Karriere machen will, sagt sie. Wer hier ruft, muss allerdings auch etwas anbieten können. Und sie kann. Barbara Deisenrieder hat gezielt in ihre Ausbildung investiert und mit guten Leistungen überzeugt. Mit 33 wurde sie Geschäftsführerin in der AMB Generali Immobilien GmbH.

Barbara Deisenrieder, 41, gebürtige Münchnerin, ist verheiratet und hat zwei Kinder - zwei und vier Jahre alt. Daran ist erst einmal nichts Außergewöhnliches. Außergewöhnlich ist das umgekehrte Rollenmodell in der Familie Deisenrieder. Das heißt, der Ehemann ist Haushaltsvorstand und die Mutter Geschäftsführerin in einem großen Konzern. Außergewöhnlich ist auch die Tatsache, dass sie ihren Geschäftsführersessel in Köln stehen hat, während Mann und die beiden Buben in München leben. Das klappt prima, so die Karrieremutter. Die Distanz stellt kein Problem dar. Am Freitagabend geht es per Flieger nach München und am Montagmorgen wieder zurück nach Köln.

Schon während der kaufmännischen Ausbildung entdeckt Barbara Deisenrieder ihre Vorliebe für die Immobilienwirtschaft. Mit dem Ziel vor Augen investiert sie viele Jahre in weiterführende Studien und Ausbildungsmaßnahmen. Ihr Ehrgeiz hat sich gelohnt: Vor acht Jahren wechselte Barbara Deisenrieder von der Generali Lloyd AG in München zur AMB Generali Immobilien GmbH nach Köln. Sie ist gerade mal Anfang 30, als sie in der Rheinstadt ihren ersten Geschäftsführerposten übernimmt. Die ersten Jahre sind geprägt von Neuorientierung, Umstrukturierung und Konsolidierung. Heute residiert das Unternehmen der großen Versicherungsgruppe AMB Generali in modernen, großzügigen Räumen im Rheinauhafen. Seit 2006 verantwortet die Powerfrau die Bereiche Asset Management, Vermietungskoordination und Asset Administration. Dazu zählt insbesondere die Steuerung externer Property Manager und die strategische Weiterentwicklung des Direktanlageportfolios. Zusammen mit ihren beiden Geschäftsführerkollegen teilt Deisenrieder sich das Büro mit rd. 60 Mitarbeitern.

business-on.de: Woher kommt Ihre Faszination für Immobilien?

Barbara Deisenrieder: Das hat sich mehr oder weniger zufällig während meiner kaufmännischen Ausbildung ergeben. Die Arbeit in der Immobilienabteilung der Ersten Allgemeinen Versicherungs AG hat mir gut gefallen. Angefangen habe ich damals ganz brav mit der Verbuchung von Mieteingängen.  

business-on.de: Sind Immobilien noch eine sichere Kapitalanlage?

Barbara Deisenrieder: Ich finde schon. Gerade in der jetzigen Zeit ist es eine gute Anlage. Sie ist krisensicher, wertstabil und wenig volatil.

business-on.de: Zur Immobilienkrise kommt hinzu, dass Klimaschutz-Maßnahmen hohe Investitionen erforderlich machen. Wie rechnet sich das?

Unternehmen legen Wert auf grüne Gebäude

Barbara DeisenriederDas ist schwierig. Speziell die Aspekte der Nachhaltigkeit bekommen wir noch nicht in ausreichendem Maß vom Mieter zurückgezahlt. Aber im gewerblichen Bereich, der bei uns über 80 Prozent ausmacht, stellen wir gerade einen Wandel fest. Gerade international agierende Unternehmen, große Rechtsanwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfer, Marketing-Agenturen, etc. legen großen Wert auf grüne Gebäude, die mit nachhaltigen Materialien errichtet wurden und einen vergleichsmäßig geringen Primärenergieverbrauch haben.

business-on.de: Von welcher Größenordnung reden wir eigentlich bei den Immobilien, die von Ihnen verwaltet werden?

Barbara Deisenrieder: Wir betreuen momentan ein Immobilienvermögen von rund vier Mrd. Euro. In der Direktanlage halten wir knapp 3 Mrd. Euro, das heißt die Versicherungsunternehmen, für die wir investieren, stehen als Eigentümer im Grundbuch. Bei der indirekten Anlage, etwa 1 Mrd. Euro, investieren wir für unsere Versicherer in Immobilien-Fonds und –Beteiligungsprodukte. Unsere Strategie ist, die Direktanlagen auf Deutschland zu fokussieren und die indirekten Investments im Ausland zu tätigen.

business-on.de: Die Immobilienpreise sind nicht nur in Amerika gesunken.

Barbara Deisenrieder: Das ist richtig. Die Renditen bewegen sich langsam wieder nach oben. Aber man muss zwischen Gewerbe- und Wohnraum sowie nach der Mikrolage differenzieren. Wir stellen fest, dass Produkte in ausgesucht guten Lagen wertstabil bleiben. Letztendlich kommt es aber auch auf eine gesunde Diversifikation an. In der AMB Generali Gruppe haben wir natürlich neben den Immobilien noch andere Assetklassen, sodass auch immer ein Ausgleich gegeben ist.  

business-on.de: Sie selbst haben beeindruckend viele Jahre in die Ausbildung investiert. Nach der kaufmännischen Ausbildung studierten Sie BWL, machten anschließend den Immobilien-Fachwirt, absolvierten verschiedene immobilienwirtschaftliche Studiengänge, u.a. mit Abschluss als Diplom-Sachverständige an der Deutschen Immobilien-Akademie. Wie lässt sich das alles finanzieren?

Barbara Deisenrieder: Während des Studiums habe ich u.a. immer wieder in meiner Ausbilder-Firma gearbeitet. Ich war mir damals für keinen Job zu schade.  

business-on.de: Das hört sich nach entbehrungsreicher Zeit an.

Barbara Deisenrieder: Nein. Es hat mir einfach Spaß gemacht.

business-on.de: Und was war letztendlich das Ziel?

Barbara Deisenrieder: Ich war damals Ende Zwanzig und der Meinung, dass ich irgendwann eine Familie gründen würde und mich dann mit dem Sachverständigen-Diplom in der Tasche selbständig machen kann. Es kam dann aber ganz anders. Man bot mir den Posten als Assistentin des Finanzvorstands in der Generali Lloyd AG an und damit die Möglichkeit, meinen Fokus über die Immobilie hinaus zu vergrößern. Das war natürlich eine tolle Chance und deshalb bin ich geblieben.

business-on.de: Sie sind inzwischen seit rund 20 Jahren in verschiedenen Unternehmen der AMB Generali Versicherungsgruppe tätig. Ist Ihre Karriere als Frau ein Einzelfall in dem Konzern?

Einzige Frau im Kreis der Top-Führungskräfte

Barbara Deisenrieder: Ja. Sowohl die Immobilien- als auch die Versicherungs-Branche ist in Führungsfunktionen überwiegend männlich besetzt. Ich bin beispielsweise die einzige Frau im Kreis der Top-Führungskräfte des AMB Generali Konzerns.

business-on.de: Wie haben Sie es in diese Männer-Domäne geschafft?

Barbara Deisenrieder: Ich habe einen gewissen Biss, bin sehr beharrlich und habe mit Sicherheit kontinuierlich gute Leistungen geliefert.

business-on.de: Mussten Sie mehr leisten als Ihre männlichen Kollegen?

Barbara Deisenrieder: Ja, ich denke schon. Darüber hinaus habe ich aber auch konsequent auf mich und meine Projekte aufmerksam gemacht. Wissen Sie, man muss präsent sein, sich anbieten und sagen, was man kann. Ich denke, dies ist es auch, was mich von einigen meiner weiblichen Kollegen unterscheidet.

business-on.de: Haben Sie sich als Frau auch schon mal benachteiligt gefühlt?

Barbara Deisenrieder: Das kann man generell so nicht sagen. Es sind Kleinigkeiten. Beispielsweise in der Einladung zum Top-Manager-Kreis, dem ich seit 2002 angehöre, hieß es zunächst immer "Sehr geehrte Herren". Unserem Konzernchef viel das irgendwann auf – und er hat es geändert: Jetzt steht in jeder Mail und in jedem Brief: "Sehr geehrte Frau Deisenrieder, sehr geehrte Herren". Das freut mich natürlich.

business-on.de: Als Sie 2000 nach Köln kamen, hatten Sie kurz zuvor geheiratet. Was hat denn Ihr Mann zu dem neuen Job, rd. 600 km von München entfernt, gesagt?

Barbara Deisenrieder: Als wir uns kennen lernten, musste ich mich gerade zwischen dem Vorstands-Assistentenposten in München und einem mindestens zwölfmonatigen Trainee-Aufenthalt in Triest, dem Muttersitz der Generali, entscheiden. Damals bin ich meinem Mann zuliebe in München geblieben. Als dann das Angebot aus Köln kam, waren wir beide der Meinung, dass das eine tolle Chance für mich ist. Mein Mann hat den Schritt voll unterstützt.

business-on.de: Wie sah diese Chance aus?

Barbara Deisenrieder: Bei der AMB Generali Immobilien in Köln war das Back Office mit den Bereichen Controlling, Rechnungswesen und IT noch im Aufbau. Es gab noch keine Controlling-Kultur. Deshalb war das Feld, in dem ich mich hier austoben konnte, riesengroß. Sie müssen sich vorstellen, ich war damals Anfang 30 und wurde nach sechs Monaten Geschäftsführerin.

business-on.de: Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?


 
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