15.01.2009  11:13 Uhr

Beate Renée Keßler
Erfolg mit Mut und gesundem Selbstbewußtseim

Köln-Bonn. Sie gehört zu den Frauen, die ihren beruflichen Werdegang zur eigenen Chefsache gemacht haben. Der persönliche Einsatz war hoch, aber es hat sich gelohnt. Beate Renée Keßler, eine attraktive, sympathische und mutige Frau, hat bewiesen, dass man es aus eigener Kraft in die Topriege einer Männerdomäne schafft.

Beate Renée Keßler, 58, gebürtige Düsseldorferin, ist seit 10 Jahren Geschäfsführerin des Kölner Gebäudedienstleisters "NR Neue Raumpflege GmbH & Co KG". Zusammen mit ihrem Geschäftsführerkollegen Olaf Deneke managt sie Verwaltung, Personal, Vertrieb und Kundenbetreuung. Das Unternehmen beschäftigt 600 fest angestellte Mitarbeiter. 40 Prozent davon sind 400 Euro-Jobber, was in der Branche naheliegend ist, da an manchen Einsatzorten nur stundenweise gearbeitet wird. Der Anteil der Frauen in den Reinigungsteams überwiegt zwar noch, aber – man höre! – der Anteil der Männer nimmt rapide zu. Es werden immer mehr, die zusätzlich zum Hauptjob Geld verdienen müssen, so Keßler. NR bedient gewerbliche Kunden vom Industriebetrieb, beispielsweise Rheinenergie, bis zur Arztpraxis sowie öffentlich-rechtliche Organisationen von Schule bis Krankenhaus.

Nach Bilderbuchkarriere sah das Leben für Keßler in jungen Jahren nicht aus. Eine Reihe von Missgeschicken und widrigen Umständen verhagelten ihr die Zeit, in der man normalerweise mit Schule, Ausbildung und Studium die Basis für Beruf und Karriere legt. Mit 16 musste sie aus familiären Gründen von heute auf morgen das Gymnasium verlassen. Die Bankenlehre muss sie mit 18 abbrechen, weil sie Mutter wird. Während der Schwangerschaft kommt eine schwere Herzschwäche hinzu, die erst mit 25 endgültig geheilt ist. Aber sie gibt sich nicht auf. Trotz Kind und Krankheit jobbt sie auf Messen als Model und Repräsentantin, schreibt Adressen, verkauft Gemüse, arbeitet stundenweise in Buchhaltungs-Büros. "Ich war mir für keine Arbeit zu schade", erzählt die heutige Geschäftsführerin. Sie war zwar mit dem Vater ihres Sohns verheiratet, aber ihr Mann - selbst noch in der Ausbildung - konnte nur begrenzt zum Lebensunterhalt beitragen.

Self-Made-Woman

Wenn Keßler an die ersten Jahre zurückdenkt, bleibt für sie in positiver Erinnerung, dass sie jobmäßig "immer gut untergekommen" ist. Stolz bezeichnet sie sich heute als Self-Made-Woman. Denn die Basis für ihren beruflichen Erfolg hat sie sich mit eisernem Willen und ehrgeizigen Zielen selbst erarbeitet. Nachdem Kind und Krankheit mehr oder weniger in trockenen Tüchern sind, absolviert Keßler jahrelang Abend- und Wochenendkurse bei verschiedenen Bildungseinrichtungen. Sie nimmt an zahlreichen Trainingsprogrammen zu den Themen Personalwesen, Mitarbeiterführung, Verkaufstraining, Managementtechniken, Controlling, etc. bei namhaften Akademien teil. Hut ab! Es hat sich gelohnt.

business-on.de: Frau Keßler, wie kommt man als Frau in die Geschäftsführung eines Gebäudereinigers? Das ist doch sicherlich nichts für Zimperliche.

Beate Renée Keßler: Richtig. Das ist eine ziemlich rauhe Männerdomäne, typisch Handwerk. Bevor ich nach Köln kam, war ich 13 Jahre Vertriebsleiterin bei einem der bundesweit tätigen Branchenführer in der Gebäudereinigung. Headhunter hatten immer mal wieder angerufen. Eines Tages mit dem Angebot, als Geschäftsführerin bei der NR hier in Köln einzusteigen. Das empfand ich als tolle Herausforderung und nahm an.

business-on.de: Wie hoch ist der Anteil an Frauen bei den Gebäudereinigern, die es ins Top-Management geschafft haben?

Beate Renée Keßler: Aus meiner Erfahrung sind neunzig Prozent der Inhaber, Geschäftsführer und leitenden Angestellten Männer.

business-on.de:Unter einer Frau in ihrer Branche stelle ich mir ein bisschen klischeeartig eine robuste, resolute Person mit harter Stimme vor. Das trifft offensichtlich auf Sie nicht zu.

Beate Renée Keßler: Richtig. Ich bin nach außen nicht der robuste Typ, den man in diesem Gewerbe erwartet. Das muss auch nicht sein. Es reicht, wenn man Selbstbewußtsein, Zielstrebigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, zeigt. Für mich ist wichtig, dass ich mit Überzeugungskraft, Klarheit und Konsequenz die Firmenpolitik erfolgreich umsetze. Dazu brauche ich keine laute Stimme.

business-on.de: Ist das eigentlich ein reiner Schreibtischjob?

Beate Renée Keßler: Nein, im Gegenteil. Es sind immer wieder Stichproben in den Objekten zu machen. Beispielsweise um zu kontrollieren, ob alle Gesetze, wie beispielsweise das Entsendegesetz, eingehalten werden. Dazu muss ich auch schon mal nachts raus oder am Wochenende. Zu meinen Aufgaben zählt außerdem, den persönlichen Kontakt zu den Kunden zu pflegen und neue Kunden zu gewinnen. Die Akquise macht mir immer noch viel Freude.

business-on.de: Hat man als Frau Vorteile in der Akquise?

Beate Renée Keßler: Ja. Ich denke, unsere Gabe, sich sehr viel besser auf die Gesprächspartner einstellen zu können, ist hilfreich.

business-on.de: Schließen Frauen bessere Aufträge ab als Männer?

Beate Renée Keßler: Das kann ich so nicht bestätigen. Aber Frauen geht es sicherlich mehr um die Sache und nicht so sehr um ihr eigenes Ego.

business-on.de: Wie sieht es mit dem Wettbewerb aus?

In der Gebäudereinigung weht ein harter Wind

Beate Renée Keßler: Die Gebäudereinigung ist eine Branche, in der ein sehr harter Wind weht. Der Wettbewerb wird über den Preis ausgetragen. Am meisten setzen uns die großen Unternehmen zu, die überregional arbeiten und hier ihre Niederlassungen haben. Wir können uns allerdings gegen diese Konkurrenz mit Schnelligkeit, hoher Flexibilität und Qualität durchsetzen. Unser Vorteil ist, dass wir beispielsweise Kundenprobleme schneller lösen, weil wir nicht die langen Entscheidungswege wie die großen Mitbewerber haben.

business-on.de: Sind die Folgen der Finanzkrise in Ihrem Geschäft bereits spürbar?

Bisher keine Mitarbeiter entlassen

Beate Renée Keßler: Wir merken das schon. Es gibt einige Kunden, die unsere Dienste jetzt lieber von ihren Auszubildenden machen lassen oder die die Reinigungsfrequenz reduzieren. Zum Glück sind bisher nur vereinzelt Kunden nach Ablauf des Einjahresvertrags ausgestiegen. Wir mußten bisher auch noch keine Mitarbeiter entlassen, weil wir Lücken bisher immer noch auffüllen konnten.

business-on.de: Wo geht der Trend in der Gebäudereinigung hin?

Beate Renée Keßler: Glücklicherweise ist der Trend zur Vergabe an Dienstleister immer noch ungebrochen. Neu ist, dass zunehmend mehr Unternehmen auf hochwertige Bodenbeläge umsteigen und auf umweltfreundliche Putzmaterialien sehr großen Wert legen.

business-on.de: Sie können heute auf fast vierzig Berufsjahre zurückblicken. Sind Sie zufrieden mit dem Verlauf?


 
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