08.09.2006  15:24 Uhr

Bestnoten für den Standort Bonn

Köln. Wer glaubte, dass Bonn ohne ersten Regierungssitz zur Bedeutungslosigkeit absteigt, wird seit Jahren eines Besseren belehrt. In Städte- Rankings schneidet die Stadt gegenüber dem Siebengebirge vielfach besser ab als so manche deutsche Metropole. Kann sich der Bonner Wirtschaftsförderer, Martin Ogilvie, also bereits zufrieden zurücklehnen? Business-On.de sprach mit ihm über Justierungs-Potenziale und Risiken der Bundesstadt Bonn.

Bonner Charme mit dem Niveau einer Metropole

Von wegen Beamtenstadt! Für den Wirtschaftsförderer Martin Ogilvie (44) hat Bonn den Charme einer Stadt, die nicht Metropole ist, aber Kultur auf Großstadt- oder Weltniveau bietet. So „The Guggenheim Collection“, die bisher umfangreichste Ausstellung mit Werken aus der Sammlung der Solomon R. Guggenheim Foundation. Oder das jährliche Beethovenfest mit internationalen Künstlern, Orchestern und Dirigenten. Das Ergebnis sind wachsende Gästezahlen. Aber auch ansonsten könne die Stadt mit beachtlichen Zahlen punkten: Bei den Kommunen mit der höchsten Börsenkapitalisierung in Deutschland kommt Bonn auf Platz drei - nach München und Düsseldorf. Und auch das zeichnet die Bundesstadt aus: Sie hat die höchste Bildungsquote.

Der Anteil der Hochqualifizierten an den Beschäftigten liegt weit über dem Bundesdurchschnitt. Die Arbeitslosenquote beträgt 8,4 Prozent und ist damit die niedrigste in NRW. Es gibt keine Problemzonen, die Straßen sind auch nachts sicher. Platz drei belegt die Stadt auch beim Beschäftigungswachstum, wie aus dem diesjährigen Städte-Ranking der Wirtschaftswoche zu erfahren ist. Allerdings deckt die Studie auch eine Reihe von Schwächen auf, wie beispielsweise die negative Entwicklung bei der Realsteuerkraft oder der Wirtschaftskraft.

Wirtschaftsstandort für hochwertige Dienstleistungen

Daher: Trotz insgesamt positiver Entwicklung sind noch nicht alle Aufgaben gemacht. So ist die internationale Wahrnehmung von Bonn laut Martin Ogilvie zu sehr auf die ehemalige Rolle als Regierungssitz fokussiert. Das hat Vorteile, aber für die zukünftige Entwicklung gilt es, den Blick für den internationalen Wirtschaftsstandort zu schärfen. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht. Neben den beiden Global Playern, Deutsche Post und Deutsche Telekom, sorgt der Campus der Vereinten Nationen im „Langen Eugen“ für ein neues Image.

Ein erster Erfolg ist die Entscheidung der amerikanisch-koreanischen SMI Hyundai, den Kongressstandort von Bonn auszubauen. Dies liegt voll auf der Zielgeraden der Stadt, die sich als Standort für hochwertige Dienstleistungen profilieren möchte. Dazu zählen die so genannten Kompetenzfelder in der Immobilienwirtschaft, im Gesundheitswesen, in der Geoinformationswirtschaft, im Einzelhandel und im Tourismus- und Kongresswesen. Schon heute sind drei Viertel aller Beschäftigten in Bonn im Dienstleistungsbereich tätig.

Förderung von wissensbasierten Existenzgründungen

Das zukünftige Ziel muss sein, so die Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann im Jahreswirtschaftsbericht 2006, „das wirtschaftliche Potenzial stärker mit der Internationalität des Standortes und der Wissenschaftsregion zu verknüpfen“. Deshalb soll die Kooperation von Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung als bedeutender Faktor für Wachstum und Beschäftigung weiter ausgebaut werden. An der Universität Bonn und den regionalen Fachhochschulen sind insgesamt 38.000 Studenten registriert. Rund 200 wissenschaftliche Einrichtungen zählt die Stadt zusammen mit dem Rhein-Sieg-Kreis.

Dazu gehören beispielsweise die Fraunhofer- und Max-Planck-Institute, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das Forschungszentrum caesar oder die Forschungsgesellschaft für Angewandte Naturwissenschaften. Die meisten Wissensschmieden sind auf eine enge Zusammenarbeit mit der privaten Wirtschaft ausgerichtet, was sich u.a. positiv auf wissens- und technologiebasierte Existenzgründungen auswirkt. Für die Wirtschaftsförderung Bonn steht daher auch weiterhin die gezielte Beratung und Betreuung von Gründerwilligen auf dem Programm.

Wirtschaftsstandort Bonn in Gefahr?

Martin Ogilvie ist seit drei Jahren Chef der Wirtschaftsförderung. Die besondere Situation der Stadt nach der Demontage als Bundeshauptstadt bedeutete gestern und heute eine große Herausforderung, die bisher meisterlich bewältigt wurde. Nun droht neues Ungemach für den zweiten Regierungssitz. Berlin droht mit dem kompletten Abzug aller Ministerien laut Kölner Stadtanzeiger vom 4.9.. Wir fragten Martin Ogilvie nach möglichen Konsequenzen: "Es wird keinen Totalumzug geben. Der Bundesrechnungshof hat dem Haushaltsausschuss des Bundestages bereits klar dargelegt, dass ein Totalumzug deutlich teurer ist als die jetzige Aufteilung auf Bonn und Berlin. Dieses Sommertheater einzelner Abgeordneter kommt in jedem Sommerloch hoch. Die Entscheidungsträger in Bundesregierung und Parlament stehen zum Bonn/Berlingesetz. Sie setzen sich zudem für den weiteren Ausbau Bonns als deutsche UN-Stadt ein. Ich kann mich daher sehr gut auf meine Arbeit hier vor Ort konzentrieren." Der gebürtige Bonner studierte Rechtswissenschaft in seiner Heimatstadt und in München. Von 1992 bis 1995 gehörte er der FDP Bundestagsfraktion als sozialpolitischer Referent an. Als persönlicher Referent von Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt hatte er je ein Büro in Bonn und Berlin. Danach folgten sechs Jahre bei der Deutschen Ausgleichsbank als Prokurist und Leiter der Unternehmenskommunikation.

Wir haben Martin Ogilvie kennen gelernt als Meister der Kommunikation und Moderation und wünschen trotz dunkler Wolken am Horizont weiterhin viel Erfolg.


 

(Karin Bäck)

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