21.10.2008  18:08 Uhr

Bonn Schriftzug
Kussmund: I Will Survive

Köln-Bonn. Jemand soll ausgeschaltet werden, Botschaftsmitarbeiter schleusen den Gefährdeten über die Grenze und am Ende ruft das sogar noch einen Bundesminister a.D. auf den Plan. Ein Hauch von Kalter Krieg weht in diesen Tagen wieder durch Bonn. Nur das sich diesmal nicht zwei Supermächte, sondern Bonner Verwaltung und Kussmund-Befürworter gegenüberstehen. Letztere können sich mit dem Entwurf einer Düsseldorfer Agentur für eine neue Bonner Dachmarke nicht so recht anfreunden. Denn eins fehlt dem Entwurf aus ihrer Sicht: der Bonner Kussmund.

Nicht alle Tage bekommt die Business-On.de Redaktion Post aus Holland. Doch dass die Redaktion mal Post vom Bonner Kussmund bekommen würde – damit hatte hier niemand gerechnet. Er sei nach Holland ausgewandert, genauer gesagt ins nordniederländische Groningen, und habe großes Heimweh nach Bonn, schreibt er. Wie zum Beweis liegt eine Karte bei, auf der statt des Bonn-Schriftzuges auf weißem Grund ein großes schwarzes „Groningen“ prangt und - man kann es fast schon ahnen - das „O“ ist durch den Bonner Kussmund ersetzt. Kryptisch bittet der Kussmund um den Besuch einer Webseite im Internet.

„Dass die Redaktion einmal Post vom Bonner Kussmund bekommt – damit hatte hier niemand gerechnet“

Die besagte Webseite www.kussmund-retter.de empfängt den Besucher mit dem Aufruf „Bonner, rettet Euren Kussmund!“, musikalisch untermalt von einem bekannten Dauer-Ohrwurm. Nachlesen kann man, dass der Kussmund wegen der „drohenden Einschläferung durch Rat und Verwaltung der Stadt Bonn“ außer Landes gebracht worden sei. Und zwar durch niemand geringeres als Mitarbeiter der Ostfriesischen Botschaft. Die Botschaft – das kann jeder recherchieren - gibt es tatsächlich, jedenfalls virtuell. Und der Kussmund, steht dort klipp und klar, strebt eine Rückkehr aus seinem Exil zurück nach Bonn an. Ganz schön viel Courage für einen einzelnen Kussmund. Er (oder besser sie) muss tatsächlich Rheinländer sein!

„Ganz schön viel Courage für einen einzelnen Kussmund. Er (oder besser sie) muss tatsächlich Rheinländer sein!“

Sehr interessant sind die Artikel Pressebereich, die erklären, warum der Bonner Kussmund kein gewöhnliches Logo ist. Tatsächlich wollten die Stadtoberen den Kussmund schon kurz nach seiner Schöpfung vor rund 40 Jahren kalt stellen, weil sie Obszönität witterten. Immer und immer wieder setzen sich aber in Bonn die Kussmund-Befürworter durch und konnten so den Kussmund über Generationen erhalten. Nun planen Rat und Verwaltung bekanntlich ein neues Logo, welches im August erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Sein Name: „Freude.Joy.Joie“. Entwickelt wurde die neue Dachmarke von einer Düsseldorfer Agentur. Sie soll nach dem Wegzug großer Teile der Regierung – so wollen es die Stadtoberen - das neue Profil Bonns als Bundes- und UN-Stadt unterstreichen. Der Kussmund hat da keinen Platz mehr.

Bundesminister a.D. Norbert Blüm spricht sich für den Erhalt des Kussmundes aus

Doch das sehen viele Bonner Bürgerinnen und Bürger anders. Der Kussmund hat sich offenbar mit den Jahren zu einem Lebensgefühl gemausert. Und so trifft die neu gestartete Initiative zur Kussmund-Rettung schnell auf Resonanz in der Stadt, wie ein zweiter Blick auf die Webseite beweist: Bundesminister a.D. Norbert Blüm spricht sich nun auf der Startseite für den Erhalt des Kussmundes aus. Doch bringt der ganze Einsatz so kurz vor der anstehenden Ratsentscheidung noch etwas? Auf Rückfrage kommentiert Kussmund-Sprecher Onur Yamac dies nur schmallippig: „Die Frage ist nicht, wann das neue Logo aus Düsseldorf kommt, sondern wann ein neues Logo mit dem Kussmund kommt.“ Man durchdenke hierzu in konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Kussmund auch intensiv Lösungen für die Stadtverwaltung, die sich besonders vor Grabkosten-Bescheiden mit Kussmündern fürchte. Schließlich soll der Kussmund wegen solcher Kleinigkeiten nicht gleich mit beerdigt werden, sondern auf seine bewährte Art zeigen, wo die Musik spielt: in Bonn. Eine Klangmarke für den Bonner Kussmund zeichne sich auch bereits ab: „I Will Survive“ von Gloria Gaynor.


 

(Redaktion)

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