Konjunktur
Finanzministerium warnt vor Gefahren für Konjunkturerholung
Berlin. (ddp). Die Aussichten für eine nachhaltige Konjunkturerholung in Deutschland sind weiter unsicher. Die Produktionskapazitäten blieben auch 2010 in erheblichem Maße unterausgelastet, und eine Vielzahl weiterer Indikatoren befänden sich auf nach wie vor sehr niedrigem Niveau, erklärte das Bundesfinanzministerium in seinem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht.
«Damit bleibt unsicher, ob sich bereits eine grundlegende und nachhaltige Wende zum Besseren abzeichnet», hieß es.
Die aktuelle Entwicklung sowie die Konjunkturindikatoren deuteten zwar insgesamt darauf hin, dass sich «die konjunkturelle Erholung in Deutschland tendenziell fortsetzen» dürfte. «Das Tempo der wirtschaftlichen Belebung dürfte sich im Vergleich zum Sommerhalbjahr 2009 jedoch vermindern», hieß es vom Ministerium weiter. Dafür spreche unter anderem die nachlassende Dynamik der industriellen Auftragseingänge zu Beginn des Schlussquartals 2009.
Derweil teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit, dass der Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr seinen Berechnungen zufolge geringer ausgefallen ist als bislang angenommen. Die Zuwachsrate des saison- und kalenderbereinigten Bruttoinlandsproduktes (BIP) habe im vierten Quartal weiterhin 0,6 Prozent betragen. «Zusammen mit den bislang vorliegenden amtlichen Quartalsergebnissen ergibt sich damit für das Gesamtjahr 2009 eine Schrumpfung des Bruttoinlandsproduktes um 4,8 Prozent», erklärten die Berliner Ökonomen.
Das Statistische Bundesamt hatte Mitte Januar für 2009 einen BIP-Rückgang um 5,0 Prozent gemeldet. Dies war der erste Rückgang seit sechs Jahren und der stärkste in der Geschichte der Bundesrepublik. Experten hatten im Durchschnitt ein Minus von 4,8 Prozent erwartet.
Die Kredithürde in der gewerblichen Wirtschaft ist im Januar laut einer Umfrage gesunken. Wie das Münchener Ifo-Institut mitteilte, klagten 42,4 Prozent der Unternehmen über strenge Kreditvergaberegeln der Banken. Im Dezember waren dies noch 44,3 Prozent der Firmen. Weiter hieß es, dass die Klagen der Unternehmen über eine restriktive Kreditpolitik der Banken sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Bauhauptgewerbe und im Handel abgenommen hätten. Von einer Trendwende könne aber noch keine Rede sein, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
Die Tarifverdienste in Deutschland sind 2009 trotz der Krise stärker gestiegen als die Verbraucherpreise. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, stiegen die tariflichen Monatsverdienste im Jahresdurchschnitt um 2,8 Prozent. Die tariflichen Stundenlöhne erhöhten sich lediglich um 2,7 Prozent, da einige Tarifabschlüsse eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit vorsahen. Die Verbraucherpreise erhöhten sich dagegen im vergangenen Jahr lediglich um 0,4 Prozent. 2008 waren die tariflichen Monatsverdienste um 3,6 und die Stundenverdienste um 3,4 Prozent gestiegen.
Der trotz der Wirtschaftskrise vergleichsweise hohe Anstieg der Tarifverdienste ist der Behörde zufolge auf das Inkrafttreten einiger bereits 2008 vereinbarter Tariferhöhungen zurückzuführen.
(ddp)
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