29.08.2009  11:03 Uhr

Deutschland Investitionsstandort
Drache und Elefant auf Deutschlandkurs - Chinesen und Inder investieren zunehmend in der Bundesrepublik

Berlin. (ddp). China und Indien sind längst nicht mehr nur Empfänger von Direktinvestitionen. Sie setzen auf die Internationalisierung ihrer Industrien. Dabei entdecken sie immer mehr Deutschland als attraktiven Investitionsstandort. In einer aktuellen Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young haben rund 1000 international tätige Manager Deutschland erneut zum attraktivsten Investitionsstandort Europas gewählt.

 Weltweit liegt Deutschland auf dem sechsten Platz nach China (1), den USA (2), Indien (3), Russland (4) und Brasilien (5). 

Auf der ganzen Welt geschätzte Standortfaktoren Deutschlands wie hervorragende Infrastruktur, gute Qualifikation der Arbeitskräfte, vielfältige Industrielandschaft und Innovationskraft rücken immer mehr auch in den Fokus potenzieller Investoren aus China und Indien. 

So ist der Bestand chinesischer Direktinvestitionen nach Angaben der Deutschen Bundesbank von 153 Millionen Euro im Jahr 2002 jährlich gewachsen auf 355 Millionen Euro im Jahr 2007. Auch der Bestand der indischen Direktinvestitionen hat zugelegt, und zwar von 79 Millionen Euro im Jahr 2004 auf 242 Millionen im Jahr 2007. Diese Steigerungen sehen im absoluten Vergleich allerdings noch gering aus. So hat die Industrienation Japan, traditionell Asiens größter Investor in Deutschland, seinen Direktinvestitionsbestand von 9,3 Milliarden Euro im Jahr 2002 auf 12,3 Milliarden Euro im Jahr 2007 gesteigert. 

Von dieser Größenordnung sind China und Indien also noch weit entfernt. Aber sie wollen anscheinend nachziehen. So erwartet der Bundesverband für Mergers & Acquisitions (BM&A) in Deutschland erhebliche Zukäufe und Beteiligungen durch chinesische Investoren. «Ich erwarte eine ganze Reihe von Deals im Milliarden- beziehungsweise im Multimilliarden-Dollar-Bereich», sagt BM&A-Chef Kai Lucks. Allein für dieses Jahr seien ihm fünf größere Übernahmevorkommen bekannt, die in Deutschland durch Chinesen geplant seien. Vor allem mittelständische Maschinenbau- und Elektrotechnikunternehmen sowie Automobilzulieferer stünden im Fokus chinesischer Investoren. Eine besondere Rolle könnte dabei dem finanziell gut bestückten Staatsfonds China Investment Corporation (CIC) zukommen. CIC verfügt den Angaben nach über 200 Milliarden US-Dollar (140,17 Milliarden Euro), davon sind 20 Milliarden für Investitionen in Europa vorgesehen. 

So ist es auch nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums nur noch eine Frage der Zeit, wann die erste chinesische Milliardeninvestition in Deutschland getätigt wird. «Nachdem China in den vergangenen Jahren vorsichtig und nur in beschränktem Umfang in Deutschland investiert hat, treten chinesische Unternehmen zunehmend als Großinvestoren im Transportgewerbe, der IT-Branche, der Finanzindustrie oder im Automobilbau auf», heißt es beim Ministerium. 

Diese Einschätzung teilt auch die China-Referentin Chao Yi der deutschen Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing (GTAI): «Chinesische Investitionen in Deutschland werden in den kommenden Jahren stark zunehmen.» Die chinesische Regierung wolle mit ihrer «go global»-Strategie die heimische Industrie internationalisieren. Ziel sei es, Weltklassefirmen zu schaffen, sagt Chao.

Nach Schätzungen gibt es derzeit rund 1000 chinesische Firmen in Deutschland, davon knapp die Hälfte in Hamburg. Die Inder sind zwar nach Angaben der deutsch-indischen Industrie- und Handelskammer (DIIHK) in Düsseldorf derzeit mit wesentlich weniger Firmen als die Chinesen in Deutschland präsent. Aber immerhin hat sich ihre Zahl in den vergangenen drei Jahren von 120 auf 240 verdoppelt. 

Vor allem haben sich die Inder im Gegensatz zu den Chinesen in den vergangenen Jahren in Deutschland überhaupt nicht mit Investitionen zurückgehalten. Im Gegenteil: Im Jahr 2008 investierten indische Unternehmen in Deutschland nach GTAI-Angaben zwei Milliarden Euro und verdoppelten damit den Investitionsumfang des Vorjahres. Das Gesamtvolumen indischer Investitionen beträgt einer aktuellen Studie der Technischen Universität Hamburg-Harburg zufolge vier Milliarden US-Dollar (2,8 Milliarden Euro). Damit haben die Inder die Gesamtinvestitionen Deutschlands in Indien in Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar (1,6 Milliarden Euro) weit übertroffen. Inder investieren in Deutschland hauptsächlich im ICT- (42 Prozent) und Automobilsektor ( 11 Prozent) sowie in Pharmazie und Beratungsdienstleistungen (jeweils 10 Prozent). 

Zwar seien einige Projekte wegen der weltweiten Finanzkrise auf die lange Bank geschoben worden, sagt DIIHK-Chef Dirk Matter. Aber neben Indiens Hauptinvestitionsstandort Großbritannien in Europa rücke Deutschland immer mehr ins Interesse der Inder. 

ddp/wle/mbr 

Von ddp-Korrespondent Michael Winckler

 

(Redaktion)

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