07.07.2010  09:24 Uhr

Unternehmen
Christoph Lange verlegt die Plattensammlung ins Netz - Neue Streaming-Technik soll Download überflüssig machen

Köln. (ddp-nrw). Dem Musikgenuss direkt aus dem Internet gehört die Zukunft. Davon ist Christoph Lange überzeugt und hat deshalb mit seinem Freund Steffen Wicker vor vier Jahren gemeinsam Simfy gegründet. Das im November nach Köln umgezogene Unternehmen startet momentan durch: Seit Mai ist die Webseite simfy.de online. Auf ihr können sich die Nutzer dank Streaming-Technik ihre Lieblingsmusik anhören, ohne die Titel kaufen oder herunterladen zu müssen.

Internet-Experten sehen in dem innovativen Geschäftsmodell einen direkten Angriff auf die US-Giganten Apple und Amazon oder den Telekom-Ableger Musicload. «Dass man das als Angriff auf Apples iTunes interpretiert, halte ich für übertrieben», sagt der 26-jährige Lange. Im Grunde seien Downloads von Musiktiteln schlichtweg «out». «Wozu herunterladen und bei sich selbst speichern, wenn ich auf die Musiktitel ständig online zugreifen kann?», erklärt Christoph Lange den Grundgedanken.

Nach Ansicht von Lange dient das Internet mit zunehmender Bandbreite immer häufiger als Musikquelle. Simfy-Nutzer könnten auf mehr als 6,2 Millionen Musiktitel zugreifen, die Songs anhören und Playlists zusammenstellen. Dies ist durch Kooperationen mit allen großen Musiklabels möglich, darunter Universal Music, Sony Music, EMI und Warner Music. Einzigartig ist die Website vor allem durch die Einbindung sozialer Features. Mit der Anmeldung können Nutzer beispielsweise ihr Facebook-Profil mitnehmen. Finanziert wird das Angebot über Werbung und eine Musik-Flatrate.

Der Erfolg kam schneller als gedacht. Mehr als 200 000 Nutzer haben sich auf simfy.de in den ersten 30 Tagen angemeldet. Bis Jahresende sollen sich 80 000 bis 100 000 Nutzer registriert haben, die für simfy auch bezahlen wollen. «Den Break-even werden wir im Jahr 2010 nicht erreichen», erklärt Lange. Das sei aber auch nicht geplant.

Christoph Lange wuchs in Ahrensburg bei Hamburg auf. In Mannheim studiert er Betriebswirtschaftslehre und spezialisierte sich auf Wirtschaftsinformatik und Marketing. Die Diplomarbeit steht noch aus. «Das Thema soll IT-Governance sein», weiß Lange bereits. Einfacher wäre es sicher, ein Simfy-Thema zur Diplomarbeit zu machen. «Doch dabei lerne ich nichts dazu», sagt Lange. Momentan fehle zwar die Zeit fürs Diplom - aber «irgendwann will ich das Studium zu Ende machen», sagt er. Wegen der vielen Tätigkeiten fehle ihm derzeit aber sogar die Zeit für Sport. «Derzeit reicht es gerade, um mit Kollegen ein wenig Fußball zu kicken», sagt er.

Simfy wurde in Mannheim gegründet. Ins Rheinland kam das junge Unternehmen durch die in Köln ansässige Firma Music Networx. Sie bietet seit Jahren Konzertmitschnitte an, die direkt nach dem Konzert auf USB-Stick mit nach Hause genommen werden oder im Internet heruntergeladen werden können. Die Kölner haben keine Angst vor großen Namen. Nachdem deutsche Stars wie Die Toten Hosen und Peter Maffay begeistert waren, wagten sie die Internationalisierung. Auch Elton John und die Kultrocker von Kiss schätzen das Angebot für ihre Tourneen.

Music-Networx-Chef Gerrit Schumann hat viel Erfahrung als Gründer von Internet-Start-Ups. Für die jungen Simfy-Gründer war die Begegnung mit ihm und seinem Music Networx-Partner Georg Bergheim «ein Glücksfall», wie es Lange ausdrückt. Zunächst hätten sie eher als Business Angels für Simfy gewirkt. Doch die Kooperation der Unternehmen wurde enger und mündete in einem Zusammenschluss. Heute ist Music Networx der Name der Holding, die Kunden müssen sich nur noch Simfy merken.

Gemeinsam mit den Risikokapitalgebern DuMont Venture und Earlybird hat die NRW.Bank im Februar Music Networx sieben Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Thomas Raueiser, Investment-Manager der NRW.Bank und zuständig für den Kreativwirtschafts-Fonds, geht von einem lukrativen Investment aus. «Die Geschäftsmodelle von Music Networx und Simfy ergänzen sich gut», ist der NRW.Banker überzeugt. «Besonders gut gefallen hat uns die Kombination aus erfahrenen Unternehmern, wie sie die Music-Networx-Chefs sind, und den jungen Ideengebern von Simfy», sagt er.

Von ddp-Korrespondentin Anja Kühner


 

(ddp)

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © simfy GmbH



 


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