04.05.2007  16:50 Uhr

Interview
Design als gute Form ist out! Interview mit Paolo Tumminelli

Köln. „Fare bella figura“, d.h. schön sein, chic sein, umgeben sein von stilvollem design-italia. Italienisches Lebensgefühl ist ein Exportschlager. Ihre Macher auch. Seit 2000 doziert einer dieser begehrten Italiener an der „Köln International School of Design“. Sein Name ist Paolo Tumminelli und seine These lautet – man staune: Design als gute Form ist tot.

Deutschland ist faszinierend
Wer in Deutschland Premium-Marken emotionalisieren will, holt sich das Feeling für edle Gestaltung am liebsten aus Italien, so wie Ferdinand Piech. Er „importierte“ Walter Maria de`Silvas aus der Lombardei just zu diesem Zweck. Und als Rosenthal einen erfahrenen Design-Strategen suchte, fand das Unternehmen ihn in Milano. Dem Hersteller von exklusivem Porzellan und Glas gelang es 1996, Paolo Tumminelli als Leiter für Strategisches Marketing von Mailand nach Selb zu locken. Die Zeit in dem abgelegenen, oberfränkischen Städtchen war für ihn jobmäßig hervorragend, aber die ländliche Idylle, ohne Metropolen in nächster Nähe, zu eintönig. Nichts desto trotz findet er Deutschland faszinierend. Tumminelli spricht fließend deutsch mit kleinem Italo-Akzent. Unsere Sprache hatte er bereits als Architektur-Student in Mailand am Goethe-Institut gelernt. Nach zwei Jahren Selb wechselt er ins Rheinland, allerdings erst einmal nach Düsseldorf als Vice President von frogdesign.

Design ist nicht nur Gestaltung

Inzwischen lebt und arbeitet Paolo Tumminelli, 41, in Köln als Professor und Unternehmensberater. Seit 2000 lehrt er – zunächst mit einer Vertretungsstelle - an der Köln International School of Design (KISD), und seit 2003 als fest angestellter Professor für „Design Konzepte“. Den Namen „Design-Professor“ hört er nicht gern, weil Design landläufig ausschließlich mit Gestaltung in Verbindung gebracht wird. Und das entspricht nicht seiner Intention. Seine leidenschaftliche Kompetenz gilt dem Automobil, weil, so Tumminelli, kein Produkt – ausgenommen das Handy – so sehr das Verhalten von Menschen geprägt hat und noch prägt. Er hat zwei Bücher „gemacht“, „Car Design“ und „Boat Design“. Beide Pockets, jeweils in fünf Sprachen, sind im TeNeues Verlag erschienen. Business-on.de besuchte ihn in seiner Beratungsfirma goodbrands GmbH. Das Unternehmen war just ein paar Tage zuvor in die Kölner Altstadt umgezogen. Stapel von Kartons warteten noch darauf, ausgepackt zu werden. Aber das Prunkstück, ein altes Londoner Taxi-Cab der Marke Austin, hatte in dem hallenartigen Großraumbüro bereits seinen festen Platz gefunden.

business-on.de: Professor Tumminelli, was ist Design für Sie?

Paolo Tumminelli: Es ist der wirtschaftliche Aspekt von Design. Der Handwerker, der mehr oder weniger Kunstobjekte macht, ist für mein Design-Verständnis nicht relevant. Mir geht es vorrangig um die Art der Beeinflussung von Konsum-Verhalten.

 

Im Klartext: Es geht um das Zusammenspiel von Marke, Design und Kommunikation. Mit gutem Design allein ist beispielsweise auch ein Handy nicht zu vermarkten.

 

 


 
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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Paolo Tumminelli



 


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