Interview
Dolphin überlistet Handytarife! Interview mit Oliver Wilps
Köln. Bis zu 90 Prozent Kosteneinsparung bei Handygebühren verspricht Dolphin. Auch wenn E-Plus revolutionäre Preissenkungen ankündigt, dem flinken und wendigen Tier macht das nichts aus. Denn Dolphin ist kein Meeresbewohner, sondern eine intelligente Handy-Software. Was es damit auf sich hat, darüber sprach business-on.de mit Oliver Wilps, CEO der Dolphin-Telecom GmbH.
Oliver Wilps, 44, ist seit einem halben Jahr Chief Executive Officer der Dolphin-Telecom GmbH mit Sitz in Köln-Deutz. Das Unternehmen ist eine 100 prozentige Tochter der Schweizer Dolphin-Telecom AG, deren Vorstandsvorsitzender Wilps in Personalunion ist. Zum Konsortium gehört außerdem noch eine Entwicklungstochter in der Ukraine. Insgesamt werden bei Dolphin-Telecom 50 Mitarbeiter beschäftigt. Davon sind 20 in Köln für das operative Geschäft zuständig. Das Geschäftsmodell basiert auf einer Handy-Software, die in der Ukraine entwickelt wird. Laut Wilps gibt es in diesem Land noch paradiesische Verhältnisse: Exzellente Softwareentwickler mit Gehältern, die dort einen gehobenen Lebensstil ermöglichen, aber für die bei uns kein Programmierer weder Bits noch Bytes bewegen würde. Es ist nur ein Beispiel für die Philosophie der Dolphin-Telecom. Die Company setzt insgesamt auf intelligente, effiziente und sparsame Ressourcen, die entsprechend verbraucherfreundlich weitergegeben werden können.
business-on.de: Herr Wilps, man fragt sich verwundert, warum Sie die Namensrechte eines Unternehmens aufgekauft haben, das vor sechs Jahren Insolvenz angemeldet hat. Im Markt hat das bereits zu Irritationen geführt. Sie haben das wahrscheinlich nicht ohne guten Grund gemacht, oder?
Oliver Wilps: Genau, bei der Wahl des Firmennamens war uns extrem wichtig, dass der Name möglichst schnell geschützt werden kann. Normalerweise ist das eine langwierige Prozedur. Wenn in der Zwischenzeit jemand kommt und seine Rechte an dem Namen geltend macht, können sie alles einstampfen, was sie bis dahin geschaffen haben. Und wir haben in der Startphase richtig investiert, um eine Marke aufzubauen. Unsere Werbung auf der Straßenbahn haben Sie gerade selbst gesehen, wie Sie erzählten. Da die Wettbewerber uns nicht besonders lieben, war das Risiko doppelt so groß. Für uns war deswegen der Aufkauf der Namensrechte eine sehr charmante Lösung. Erstens gilt der Delphin bzw. der englische „Dolphin“ als intelligent und sympathisch und zweitens ist uns der Name sicher.
business-on.de: Mit Ihrer Software Dolphin könnte ich bis zu 90 Prozent Kosten sparen. Wie funktioniert das?
Oliver Wilps: Derjenige, der Ihnen die SIMcard verkauft, bestimmt zu welchem Preis Sie telefonieren. Je nach Tarif kann das durchaus günstig sein. Ich nutze beispielsweise die Vodafone Superflat, d.h. alle Gespräche ins deutsche Festnetz und in das Vodafone-Netz sind in dieser Flatrate enthalten. Wenn ich aber in ein Fremdnetz telefoniere - egal ob das T-Mobile, O2, etc. ist -, berechnet Vodafone 29 Cent/Minute für dieses Gespräch. Statt 25 Euro Flatrate können dadurch schnell 50, 80 oder mehr Euro auf der Rechnung stehen. Genau da greift unsere Software. D.h., Sie telefonieren wie bisher, unsere Software Dolphin prüft die Vorwahl und stellt fest, dass es sich um ein Fremdnetz handelt, was mit 29 Cent pro Minute berechnet wird. Bei uns würde das Gespräch nur 14,9 Cent pro Minute kosten, also switcht Dolphin das Gespräch auf unser Funknetz um. Wir haben wie jeder Provider ein Netzwerk mit Server. Auf diesem Server wird das Gespräch an die gewählte Nummer weiter geleitet.
business-on.de: Sie sagen, dass der Server in Berlin steht. Ist das Ihr eigener Server?
Oliver Wilps: Nein. Die Serverleistung ist gemietet. Es gehört zu unserer Unternehmenspolitik, uns auf unsere Kernkompetenzen, d.h. Software, zu konzentrieren und bei allem, was darüber hinaus geht, mit Outsourcern zusammen zu arbeiten. Damit wir Kunden jederzeit den Zugang zu unserem Server garantieren können, müssten wir an 365 Tagen rund um die Uhr verfügbar sein, was ein enormer personaler Aufwand wäre. Unser Outsourcer in Berlin bietet uns eine 99,9 prozentige Sicherheit.
business-on.de: Ihr Server leitet des Gespräch an das Fremdnetz weiter. Wieso kann Ihr Netz das günstiger?
Oliver Wilps: Jeder könnte das billiger. Die Einkaufspreise der einzelnen Provider liegen weit unter den 29 Cent, die mir beispielsweise Vodafone berechnet. Ich schätze, dass Vodafone an diesem Gespräch ungefähr 20 Cent pro Minute verdient. Im Prinzip sind es diese Margen, mit denen die Provider ihr Geld verdienen. Noch extremer ist es, wenn ich meinen Verwaltungsrat in der Schweiz anrufe. Das bekommen Sie bei uns ab 8,9 Cent und die Qualität ist kein Deut schlechter.
business-on.de: Wie stellen sich die Gespräche, die über ihren Server weitergeleitet werden, im Verbindungsnachweis dar?
Oliver Wilps: Auf dem Verbindungsnachweis ihres Providers erscheint die Nummer unseres Servers mit einem Betrag von 0,0 Cent bei unserem Beispiel mit der Superflat. Von uns bekommen sie einen Verbindungsnachweis mit der von Ihnen tatsächlich gewählten Nummer.
business-on.de: Bekomme ich als Kunde von Ihnen eine monatliche Rechnung?
Oliver Wilps: Nein, wir arbeiten mit einem Prepaid –Guthaben. Das können fünf, zehn, bis zu hundert Euro sein. In Kürze soll das Guthaben auch per Handy eingezahlt werden können. Das funktioniert heute schon beim Einkauf von Software.
business-on.de: Laienhafte Frage, aber wie kommt die Software auf mein Handy?
Oliver Wilps: Am einfachsten melden sie sich über Internet bei uns an. Es geht aber auch für weniger Web-Affine über unser Call-Center. Was wir brauchen, ist der Name des Handy-Herstellers und das Modell, um die entsprechende Software zum Download zur Verfügung zu stellen.
business-on.de: … es gibt unterschiedliche Software-Versionen?
Oliver Wilps: Ja, das liegt daran, dass die Handy-Hersteller mit unterschiedlichen Betriebssystemen arbeiten. Z.B. Nokia basiert auf Symbian, Motorola hat ein eigenes System. Was wir dann noch brauchen, ist ihr Name und ihre Mobilfunk-Nummer. Sie erhalten dann von uns eine SMS mit einem Link, über den die Software auf das Handy runtergeladen werden kann. Für diejenigen, die ihr Handy mit dem Computer synchronisiert haben, können wir den Link auch per e-Mail zur Verfügung stellen.
business-on.de: Ihre Software, die ich mir auf das Handy lade, kostet nichts, d.h. sie leben vom Umsatz mit den Gesprächen, die günstiger sind als bei meinem Provider. Das kann sich für Dolphin-Telecom eigentlich nur als Massengeschäft rechnen?
Oliver Wilps: Sicherlich, wir brauchen relativ viele Teilnehmer.
business-on.de: Wie viele müssen es sein, um den Break-even zu erreichen?
Oliver Wilps: Wir planen, nächstes Jahr den Break-even zu erreichen und rechnen dann zum Ende des Jahres mit einer siebenstelligen Kundenzahl.
business-on.de: Man sollte glauben, dass Ihre Software für jeden Handybesitzer, der damit Geld sparen kann, von Interesse ist. Gibt es Gründe, weshalb sich die Leute noch zurückhalten?
Oliver Wilps: Die gibt es definitiv. Ein Grund ist beispielsweise, dass es viele Handybesitzer gibt, die noch nie mit Software in Berührung gekommen sind und deshalb meinen, das ist zu kompliziert. Das ist aber nicht der Fall. Sie telefonieren mit unserem Programm so wie sie es gewohnt sind. Ich möchte aber auch nicht verschweigen, dass es Handy-Marken gibt, die aufgrund ihres Betriebssystems eine weniger komfortable Bedienung zulassen. Die besten Voraussetzungen bieten Fabrikate mit Symbian oder Windows Mobile wie beispielsweise Nokia, Samsung, etc. Die Zertifizierung unserer Software für Windows steht kurz bevor.
business-on.de: Welchen Vorteil hat die Zertifizierung?
Oliver Wilps: Die Hersteller achten heute sehr genau darauf, dass nicht jeder Software auf das Handy laden kann. Und das ist auch gut so. Die Hersteller wollen damit verhindern, dass durch beliebige Programme, die Funktionalität beeinträchtigt wird. Beispielsweise, dass das Handy seinen Geist aufgibt. Wenn sie also eine nicht zertifizierte Software laden wollen, lehnt ihr Funktelefon die Installation ab.
business-on.de: Für welche Betriebssysteme haben Sie bereits die Zertifizierung? Windows Mobile soll in Kürze die Prüfplakette erhalten. Was ist weiterhin in Planung?
Oliver Wilps: Aktuell steht die Dolphin Software für alle Java- und Symbian-basierten Mobiltelefone zur Verfügung. Eine Dolphin-Version für BlackBerry-Geräte folgt noch in diesem Jahr. Darüber hinaus ist eine Version für das Handy-Betriebssystem von Sony Ericsson in der Entwicklung.
business-on.de: Kommen wir zurück zu den Gründen, die für Handynutzer gegen Dolphin sprechen könnten.
Oliver Wilps: Hinzu kommt, dass nicht alle Leute diese Affinität zum Sparen haben. Und es gibt Handy-Besitzer mit sehr günstigen Tarifen. Wir können zwar jeden Tarif optimieren, aber es lohnt sich nicht für jeden. Es gibt beispielsweise Angebote, bei denen sie 9,9 Cent in jedes Netz, d.h. deutsches Festnetz, ihr eigenes Netz oder ein Fremdnetz, zahlen. Das können wir nicht toppen. Aber wenn sie viel international telefonieren oder Service-Nummern wie die 01805 nutzen, dann können wir wieder mit unserer Software punkten. Aber die Frage ist, ob das für sie zutrifft.
business-on.de: Verdienen die Provider noch an den günstigen Tarifen?
Oliver Wilps: Ja, dahinter steht eine Mischkalkulation. Diese Anbieter sind daher nicht so glücklich, wenn sie bei diesem Tarif in ein Fremdnetz telefonieren, denn daran können sie meines Erachtens gar nichts verdienen. Aber was die meisten Handynutzer nicht wissen ist, dass die heute als kundenfreundlich geltende 01805 aus dem Festnetz 14 Cent und aus dem Mobilnetz einen Euro und mehr kostet. Tatsache ist, dass mehr als 50 Prozent diese Service-Nummer vom Handy aus anrufen. Das freut die Provider, denn das bringt eine gute Marge. Sie hoffen weiterhin, dass ihre Kunden im Ausland Urlaub machen, denn dann klingelt die Kasse richtig - trotz „Reiseversprechen“.
business-on.de: Und wie macht die Dolphin-Telecom die mobilen Auslandsgespäche kostengünstiger?
Oliver Wilps: Wir haben dafür ein spezielles Rückrufverfahren entwickelt. Unsere Software erkennt, wenn sie im Ausland sind. Gespräche, die sie dann beispielsweise mit ihrem Büro führen wollen, werden von unserem Server aufgefangen und als Rückruf umgepolt. Und das ist deutlich günstiger.
business-on.de: Die Insider gehen davon aus, dass die Preise im Mobilfunk noch weiter nachlassen werden. Aktuell verspricht gerade E-Plus Kostensenkungen. Bleibt das Geschäft für sie dann trotzdem noch lukrativ?
Oliver Wilps: Aufgrund der Tatsache, dass unsere Wettbewerber extrem große Kostenapparate bedienen müssen, können sie nicht so attraktiv werden, wie wir das für unsere Kunden sind. Wir sind ja gerade erst vor zweieinhalb Wochen gestartet, deswegen sind wir auch noch ganz klein. Aber wir können uns dem geplanten Wachstum flexibel anpassen, da wir weniger eigene Kapazitäten vorhalten müssen. Gesunkene Verkaufspreise ziehen außerdem auch immer günstigere Einkaufspreise nach sich, insofern ändert sich an der Marge wenig. Außerdem - wir sind nicht die 91. Company, die ihre eigene SIMcard verkaufen will. D.h., sie müssen bei uns nicht alles, sondern nur die Gespräche kaufen, die bei ihrem Provider teurer sind als bei uns. Und das ist das Revolutionäre an unserer Idee.
Vielen Dank für das Gespräch.
(Karin Bäck)
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Bild Nr. 1 © Oliver Wilps, CEO der Dolphin-Telecom GmbH
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Ich finde es marketingtechnisch immer bedenklich eine insolvente Firmenhülle aufzukaufen! Ist doch der Name Dolphin Telecom im Web ziemlich verbrannt derzeit. Such man Dolphin Telecom in den gängigen Suchmaschinen liest man nur Schreckensmeldungen. Das ganze wird sich sicherlich noch eine Zeit lang halten bis die (hoffentlich) positiven Meldungen die alten negativen abgelöst haben.
Die Idee von Dolphin Telecom finde ich erstmal gut. Getestet habe ich das ganze aber noch nicht.
Ein schönes Interview, und sehr interessant sind die das mit der lustigen Radiowerbung und den Plakaten in Köln? Denn dann verstehe ich die erst jetzt
Was ist denn mit sms. Das geht wohl nicht, oder?
War mal auf der Website der Delfine, 2 Euronen Startguthaben gibt's dazu. Ich werde das mal testen. Habe Base 2 mit einem Nokia Symbian und mit dem Tarif für Mobilnetze sollte ich da schon was sparen können.
@Aleks: SMS bieten die auch an. Schau mal in die Preisliste, 8,8 Inland und 15,9 Ausland.
Bin gespannt
weiss einer ob das auch mit meinem mda geht?
@Tester,
habe nicht die große Ahnung von Mobiles, bin schon froh, dass ich rausbekommen, ob mein Nokia funzt. Versuch mal den "Handychecker auf der Website. Da liegt wohl ne Datenbank dahinter... musst den Hersteller anklicken und Dein Modell anklicken.
ist der Delfin abgetaucht? nach der riesen Werbewelle hört man ja gar nix mehr!
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