Dr. Gisela Nagel
Karriere und persönliche Interessen in Einklang gebracht
Köln-Bonn. Als Kanzlerin der Kölner Fachhochschule managed Dr. Gisela Nagel mit großem Engagement eine beeindruckende Bandbreite an Verantwortungsbereichen. Als Privatperson legt sie ebenso engagiert Wert darauf, Dinge zu tun, die ihr wichtig sind, wie Literatur, Musik, Tanz oder fremde Kulturen. Sie ist vielseitig interessiert, wissensdurstig und konsequent, wenn es darum geht, Karriere und persönliche Präferenzen unter einen Hut zu bringen.
Dr. jur. Gisela Nagel ist seit über acht Jahren Kanzlerin an der größten deutschen Fachhochschule. Rund 16.000 Studenten, über 400 Professoren und 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tummeln sich an der Cologne University of Applied Sciences. Als Verwaltungs- und Finanzchefin ist Nagel neben dem Präsidenten die zweitwichtigste Person im Rektorat bzw. im Präsidium, wie es seit kurzem heißt. Ihre Aufgabe ist es, die organisatorischen Voraussetzungen für einen funktionierenden Campus mit Lehre und Forschung zu schaffen. Neben betriebswirtschaftlichen Aufgaben wie Planung, Controlling, Einkauf, Personalverwaltung, gehören auch Studierendenservices, Öffentlichkeitsarbeit, Technische Dienste und Bauangelegenheiten/Liegenschaften in ihren Verantwortungsbereich. Dazu stehen ihr 330 Beschäftigte und ein Finanzbudget von 100 Mio Euro zur Verfügung. Nicht gerade viel, würde ein Wirtschaftsboss denken, aber das macht eben die große Herausforderung als Kanzlerin aus. Für die Juristin ist es ein sehr interessanter Job, der ihr vor allem viele Gestaltungsmöglichkeiten bietet.
Was war vor der Zeit als Kanzlerin? Von 1977 bis 1982 studierte Nagel an der Kölner Uni. Nach Refendarzeit und zweitem Staatsexamen startete sie ihre berufliche Laufbahn als persönliche Referentin des Rektors an der Kölner Universität. Es war eine spannende Zeit, erzählt sie, auch wenn es nur eine befristete Stelle war. Im Hochschulrecht hatte sich gerade eine ganze Menge geändert und es war ihre Aufgabe, dies umzusetzen.
Karriere in der wissenschaftlichen Verwaltung
Im Anschluss daran wechselte Nagel nach Bonn an das Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit (BMJFFG), u.a. als persönliche Referentin des Staatssekretärs. Das war zu der Zeit, als die Mauer in Berlin gefallen war und ein Einigungsvertrag die Deutsche Einheit manifestieren sollte. In ihrem neuen Job hatte sie den großen Vorteil, dass sie an den Verhandlungen des Einigungsvertrages beobachtend teilnehmen konnte. „Das war hoch interessant,“ so die Juristin. Aber irgendwann stand dann doch die Entscheidung an, ob sie eine politische Laufbahn einschlagen oder einen anderen Weg gehen soll. Nagel: „Es ergab sich zu dem Zeitpunkt die Möglichkeit, an die Kölner Universität zurückzugehen. Ich übernahm die Aufgabe, ein neues Dezernat für Akademische Angelegenheiten, Rechtsangelegenheiten und internationale Beziehungen einzurichten. Eine sehr reizvolle Aufgabe, wie ich fand. Damit war mein Schritt in den wissenschaftlichen Verwaltungsbereich mehr oder weniger besiegelt.“ Es folgten sieben Jahre an der Bonner Universität als Vizekanzlerin und Leiterin des Bau- und Technikdezernates.
business-on.de: Was ist so reizvoll an einer Aufgabe im Verwaltungsbereich?
Gisela Nagel: Man hat Personalverantwortung und kann auf vielfältige Weise dazu beitragen, dass die Professoren ihre Arbeit gut machen können. Das war damals mein Ziel und ist es auch heute noch.
business-on.de: Beispielsweise?
Gisela Nagel: Trotz des neuen Hochschulfreiheitsgesetzes, trotz größerer Autonomie für die Hochschulen bleiben wir an administrative Vorgaben gebunden. Am schlimmsten sind beispielsweise die Reiseanträge und -abrechnungen. Ich kann dafür sorgen, dass der Antragsaufwand für die Professoren durch optimierte Abläufe möglichst niedrig gehalten wird.
business-on.de: Eine Frau an der Spitze einer Universität resp. FH stellt immer noch die Ausnahme dar. In der Wirtschaft ist das nicht viel anders. Wird sich das aus Ihrer Sicht in Zukunft ändern?
Gisela Nagel: Ich glaube, dass der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften dazu führen wird, dass man zunehmend Frauen für Führungspositionen „entdecken wird“. Aber ich vermute, dass die lukrativen Posten weiterhin gerne unter Männern verteilt werden.
business-on.de: ...weil sie die besseren Netzwerke haben? Es gibt doch eigentlich genug Frauenvereine und -verbände.
Gisela Nagel: Ich habe vor ein einigen Jahren ein Frauennetzwerk in Bonn mit aufgebaut, den Bundesverband der Frau in freien Berufen und Management. Ich bin dann ausgeschieden, weil für mich persönlich das Netzwerk nicht mehr so ergiebig war.

Interview-Serie von Karin Bäck
Die Powerfrauen von Köln-Bonn
Wer sind diese Frauen, die Macht und Einfluss in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur haben, die in Top Positionen Exzellentes leisten? Welche Eigenschaften, die zum Erfolg führten, bringen sie mit? Wie gehen sie mit Macht und Einfluss um?
In meiner Serie stelle ich Ihnen die interessantesten Top-Powerfrauen aus Köln und Bonn vor. Karrieren, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In meinen Interviews erfahren Sie alles zum Job und der Frau, die dahinter steht. Überzeugen Sie sich selbst davon, wie spannend die einzelnen Lebensprofile sind. In 14-tägigem Abstand lesen Sie hier, was Sie schon immer über Powerfrauen wissen wollen.
business-on.de: Was war das Problem?
Richtige Netzwerke sind wichtig
Gisela Nagel: Dem Verband hatten sich überwiegend Frauen aus selbständigen Berufen angeschlossen, deren Arbeitsrealität war eine andere als meine. Ich halte Netzwerke für wichtig, aber die richtigen zu finden, ist nicht ganz einfach.
business-on.de: Und was müsste aus Ihrer Sicht ein gutes Netz bieten?
Gisela Nagel: In einem guten Netzwerk sollten Leute sein, die interessante Positionen innehaben. Es ist auch wichtig, dass man sich in der Region vernetzt. Wir müssen beispielsweise an der FH den Bereich Fundraising mehr ausbauen und dazu auch die regionale Wirtschaft einbeziehen. So ist die Fachhochschule Köln Mitglied im Kölner Rotonda Business Club, um den gegenseitigen Austausch zu fördern. Das heißt, wir bringen unser Wissen und unsere Kontakte ein und erhalten dafür beispielsweise Unterstützung für korrespondierende Projekte.
business-on.de: Würden Sie sagen, dass Sie Ihre Karriere bewusst und systematisch aufgebaut haben? Oder sagen Sie, das war ursprünglich nicht so geplant, sondern hat sich so ergeben.
Gisela Nagel: Sowohl als auch. Am Anfang meiner beruflichen Laufbahn hatte ich eher Grobziele im Auge. Ich wollte immer eine Tätigkeit ausüben, in der ich große Gestaltungsspielräume habe, in der ich viel mit Menschen zu tun habe und viel entscheiden bzw. bewegen kann. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es der richtige Weg war. Mit jedem Job, sei es nun im Hochschulbereich oder im Ministerium, bin ich meinen Zielen immer näher gekommen.
business-on.de: Vor Köln waren Sie bereits Vizekanzlerin an der Uni Bonn. Bewirbt man sich als Kanzlerin bzw. als Vize oder bekommt man so einen Posten angeboten?
Gisela Nagel: Nein, man muss sich auch für den Kanzlerposten bewerben. Alle Hochschulstellen werden ganz normal ausgeschrieben. Allerdings muss man sein Umfeld immer im Auge behalten, beobachten, welche Positionen frei werden und sich dann bei Interesse bewerben.
business-on.de: Haben Sie nie darüber nachgedacht, einmal als Rechtsanwältin tätig zu werden?
Gisela Nagel: Rechtsanwältin in einer großen Kanzlei – das hätte ich mir gut vorstellen können. Allerdings muss man dann auch bereit sein, quasi rund um die Uhr verfügbar zu sein. Das wollte ich nicht. Ich arbeite zwar gern, ich arbeite auch gern viel, aber ich wollte nie rund um die Uhr eingebunden sein. Dafür sind mir andere Dinge zu wichtig.
business-on.de: Beispielsweise?
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