08.07.2011  13:22 Uhr

Interview mit Dr. Nicole Grünewald
Vizepräsidentin macht sich stark für KMUs

Köln. Jünger, bunter, repräsentativer und total motiviert – so geht es seit neuestem im Präsidium der Kölner IHK zu. Für den frischen Wind sorgen zwei Unternehmerinnen, die es geschafft haben, in das bisher ausschließlich männliche Gremium gewählt zu werden. Mit der Jüngsten des Präsidiums, Dr. Nicole Grünewald, sprach business-on.de über ihr Engagement als Repräsentantin mittelständischer Unternehmen.

Dr. Nicole Grünewald, 38, wurde Ende 2009 erstmals in die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer gewählt. Die gebürtige Kölnerin hatte bereits als Wirtschaftsjuniorin und als Ausbilderin gute Erfahrungen mit der IHK Köln gemacht. Insofern waren ihr auch Organisation und Personen der Kammer vertraut. Seit Anfang des Jahres ist sie nicht nur die jüngste, sondern auch die erste Vizepräsidentin der IHK Köln, die sich gezielt für kleine und mittlere Unternehmen stark macht.

Grünewald studierte in Münster Anglistik, Germanistik und Publizistik / Kommunikationswissenschaften und rutschte, wie sie sagt, per Zufall in die Werbung. Auslöser war ein Praktikum in den Semesterferien in der Frechener Agentur Lauk & Partner. Danach arbeitete Grünewald zunächst während des Studiums freiberuflich als Texterin und Konzeptionerin für Agenturen in Köln, Düsseldorf, Bonn und Frankfurt. Mit 25 Jahren gründete sie zusammen mit ihrem Kollegen Jörg Lentz die „The Vision Company Werbeagentur GmbH“. Die für Kölner bekanntesten Projekte waren der XX. Weltjugendtag und die Kampagne mit dem Hänneschen für die Kölner Stadtentwässerungsbetriebe. Die Agentur beschäftigt heute 13 Mitarbeiter.

Zwischendurch promovierte Grünewald über das Thema „Markenbildung von politischen Parteien“. Der Kölnerin war aufgefallen, dass Parteien und Politiker sich zunehmend als Marken positionieren, dies allerdings nicht zugeben wollen. In der Doktorarbeit tritt sie den Beweis an, dass es tatsächlich eine parallele Entwicklung von Markenbildung in Wirtschaft und Politik gibt.

"Köln liegt  bei der Markenbildung sehr weit zurück"

business-on.de: Frau Grünewald, die Stadt Köln ist ebenfalls seit Jahren auf der Suche nach einer prägnanten Marke, mit der sie sich als attraktiver Standort hervorheben kann. Was empfehlen Sie den Verantwortlichen?

Dr. Nicole Grünewald: Bei der Markenbildung liegt Köln tatsächlich sehr weit zurück. Deswegen hat auch die IHK-Vollversammlung von OB Roters eine Markenstrategie für die Stadt angemahnt. In Köln, das habe ich auch schon kennengelernt, muss man immer viele Leute einbinden, sonst klappt das hier nicht. Aber wichtig ist, dass einer die Verantwortung übernimmt und sagt, „wir machen es jetzt so!“ Hamburg ist ein gutes Beispiel für eine sehr professionelle und konsequente Markenstrategie, die vom Rathaus und von Hamburg-Tourismus getragen wird.

business-on.de: Sie sind so etwas wie ein Shootingstar. Sie lassen sich erstmals auf eine der Wahllisten für die Vollversammlung setzen und werden prompt gewählt. Zwei Monate später kandidieren Sie in der konstituierenden Sitzung der neuen Vollversammlung als Vizepräsidentin und bekommen die erforderlichen Stimmen. Haben Sie eine Erklärung für Ihren schnellen Aufstieg?

Dr. Nicole Grünewald: Alter, Motivation, Engagement – und vielleicht war es einfach auch mal an der Zeit für Frauen im Präsidium?

business-on.de: Woher kommt Ihr Engagement?

Dr. Nicole Grünewald: Ich wollte etwas für die Region Köln machen. Und zwar besonders für kleine und mittlere Unternehmen. Das war von Anfang an mein Fokus. Ich hatte den Eindruck, dass man als kleines oder mittleres Unternehmen nicht so wirklich vorkommt bei der IHK. Die IHK bietet zwar auch gerade für diese Unternehmen sehr viel, aber das ist kaum bekannt.

business-on.de: Bisher waren immer nur Männer im IHK-Präsidium. Hatten Sie sich überhaupt Chancen ausgerechnet?

Dr. Nicole Grünewald: Nein, das war für alle eine totale Überraschung. Damit hatte wirklich keiner gerechnet! Ich habe mich dann umso mehr gefreut!

business-on.de: Ihr Ziel ist, dass das Angebot der IHK auch bei kleinen und mittleren Unternehmen ankommt. Das sind im Kammerbezirk mehr als 130.000 Unternehmen. Wie soll das funktionieren?

Dr. Nicole Grünewald: Das Magazin IHKplus ist momentan das einzige Medium, das wirklich an alle Mitgliedsunternehmen geht, und dann gibt es noch den Internetauftritt. Die Kammer ist gerade dabei, einen E-Mail-Verteiler aufzubauen. Ein großes Thema, weil man ab Mitte des Jahres eine Einverständniserklärung braucht. Außerdem gibt es Newsletter, für die man sich eintragen kann, bspw. den I+K-Newsletter. Ansonsten sind wir dabei, ganz neue Formate zu entwickeln.

business-on.de: Kann man sagen, dass die IHK-Köln insgesamt agiler geworden ist?

Dr. Nicole Grünewald: Auf jeden Fall! Unter der Präsidentschaft von Paul Bauwens-Adenauer wurde damit begonnen, sich stärker für neue Themen zu öffnen und den Mitgliedsunternehmen neue Angebote zu unterbreiten. Es gibt bspw. mittlerweile eine schöne Veranstaltung mit dem Namen „New-Kammer“, zu der die IHK neu gegründete Unternehmen einlädt. Zuerst gibt es eine kurze Information, was die IHK für diese „Firmen-Newcomer“ alles zu bieten hat, und auf der anschließenden „Visitenkarten-Party“ können neue Kontakte geknüpft werden. Die Veranstaltung ist immer sehr gut besucht und ein schöner Erfolg. Deswegen setze ich mich dafür ein, dass es das auch in anderen Bereichen gibt.


 
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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Karin Bäck



 


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