29.01.2010  09:25 Uhr

Kreditklemme
Finanzierung bleibt für viele IT-Firmen schwierig

Berlin. Die Finanzierungssituation vieler Hightech-Unternehmen bleibt schwierig. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Branchenverbands BITKOM unter 301 IT-Unternehmen hervor. Danach berichten 35 Prozent der Unternehmen, dass sie Schwierigkeiten bei der Finanzierung haben.

Trotz der verbesserten Konjunkturaussichten hat sich dieser Wert im Vergleich zum September 2009 nicht verändert. Ein Viertel der befragten Unternehmen gibt an, dass sich ihre Kreditkonditionen im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise verschlechtert haben. Das heißt, die Firmen mussten mehr Sicherheiten stellen oder höhere Zinsen zahlen. 13 Prozent der Unternehmen klagen darüber, dass die Refinanzierung über die Kapitalmärkte schwieriger geworden ist. Bei 5 Prozent der Firmen haben die Banken die Kreditlinien gekürzt oder Kredite verweigert. Bei der Umfrage waren Mehrfachnennungen möglich. „Die Finanzkrise hat deutliche Spuren hinterlassen“, sagte BITKOM-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer. „Die Gefahr einer Kreditklemme ist noch nicht gebannt.“

Die staatlichen Maßnahmen konnten die Auswirkungen der Krise aus Sicht des BITKOM bisher nicht ausgleichen. Bereits seit September 2009 gewährt der Staat den Kreditinstituten Globaldarlehen in Höhe von 10 Milliarden Euro, die in Form von Krediten an Unternehmen weitergereicht werden müssen. Erst seit Januar 2010 greifen die staatlichen Hilfen für Warenkreditversicherungen. Hierfür stehen aus dem Deutschland-Fonds 7,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Ab Februar gelten verbesserte Kreditkonditionen für das KfW-Sonderprogramm, das vor allem dem Mittelstand helfen soll. Zudem wird im März der von der Bundesregierung bestellte Kreditmediator seine Arbeit aufnehmen. Seine Aufgabe ist es, in Streitfällen zwischen Unternehmen und Banken zu vermitteln.

Ein Problem bei der Finanzierung ist, dass sich die Eigenkapitalbasis vieler Unternehmen im Zuge der Wirtschaftskrise verschlechtert hat. Damit leidet auch ihre Bonität als Kreditnehmer. „Die Banken sollten in der aktuellen Lage die positiven Geschäftsaussichten für das laufende Jahr stärker berücksichtigen“, forderte Scheer. Weitere Risikoaufschläge bei den Zinsen für Kredite an ITK-Unternehmen seien unangemessen. Erschwert wird die Lage durch die verschlechterte Zahlungsmoral vieler Kunden. Ein Viertel der befragten Unternehmen gibt an, dass sich die Zahlungsmoral ihrer Kunden spürbar verschlechtert hat. Noch vor einem Jahr klagten nur halb so viele Firmen über deutlich verspätete oder ausbleibende Zahlungen.

Zur Methodik: Das Marktforschungsinstitut ARIS hat im Auftrag des BITKOM 301 repräsentativ ausgewählte Geschäftsführer, Vorstände und Inhaber von Unternehmen der ITK-Wirtschaft befragt.


 

(BITKOM e.V.)

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1 Kommentar »

05.02.10 02:07 Uhr
sdaktien
Ich denke, dass hier ein grundsätzliches Problem der Wirtschaft, gerade in Deutschland, berührt wird. Firmen setzen zu sehr darauf, ihr Wachstum mir Fremdkapital zu finanzieren. Dagegen wird eine Finanzierung über Eigenkapital, also der Verkauf von Anteilsbesitz zu selten in Erwägung gezogen. Leider haben wir in Deutschland dahingehend auch keine richtige Kultur. Ich glaube aber, dass es in Deutschland durchaus viele Möglichkeiten gäbe, sich von Fremdkapital unabhängiger zu machen und gleichzeitig die Eigenkapitalbasis dieser Firmen zu stärken, denn Kapital, dass eine interessante Anlage sucht, gibt es in Deutschland viel.
Allen Beteiligten, auch dem Wirtschaftsstandort Deutschland wäre damit geholfen: Kapital findet eine gute (hoffentlich rentable) Anlage. Firmen bekommen Planungssicherheit UND stärken dadurch noch ihre Eigenkapitalbasis. Und durch die Sicherung dieser Firmen und Arbeitsplätze profitiert letztendlich sagar das Gemeinwesen insgesamt.
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