Gelbe Seiten & Co
All Business is local - Interview mit Patrick Hünemohr
Köln. Die Nutzung von Gelbe Seiten, DasTelefonbuch oder DasÖrtliche geht eindeutig in Richtung Web und Mobile. Und die Inserenten folgen den Nutzerströmen, freut sich Patrick Hünemohr, Geschäftsführer der Greven Verlagsgruppe in Köln. Mit iPhone Apps, lokalen TLDs oder suchen.de bietet er ideale Voraussetzungen für reichweitenstarkes Online Marketing. Patrick Hünemohr spricht im Interview mit business-on.de über neue Geschäftsmodelle.
business-on.de: Das Nachschlagewerk "Gelbe Seiten" ist weltweit der Inbegriff für Branchenverzeichnisse. Das Konzept wurde vielfach kopiert. Vergeblich. Das Original ist unschlagbar. Was ist das Erfolgsrezept?
Patrick Hünemohr: Unser Erfolgsrezept basiert auf der konsequenten Nutzerorientierung, d.h. unsere Gelbe Seiten Verzeichnisse sind mit den richtigen und vollständigen Daten zum Produkt- und Dienstleistungsangebot vor Ort kostenlos immer und überall präsent, egal wann, wo oder wie und in welcher Situation sie gebraucht werden. Es gibt die Gelbe Seiten in gedruckter Form kostenlos in jeden Haushalt geliefert, es gibt sie online unter gelbeseiten.de als das reichweitenstärkstes Online-Branchenbuch in Deutschland mit 3.1 Mio. Unique User pro Monat und es gibt Gelbe Seiten mobil für Smartphones wie z.B. Apples iPhone. Der Lohn dafür ist ein Bekanntheitsgrad von 98,5% innerhalb der deutschen Bevölkerung über 14 Jahren, der wiederum unseren Anzeigenkunden zugute kommt.
business-on.de: Neben den "Gelbe Seiten" im Verbreitungsgebiet Köln-Bonn-Aachen werden von Greven`s noch "DasTelefonbuch" und "DasÖrtliche" verlegt. Was unterscheidet die Bücher?
Patrick Hünemohr: Gelbe Seiten konzentrieren sich auf den vollumfänglichen Überblick über die gewerblichen Teilnehmer in einer Region mit der Sortierung und Einordnung nach Branchen. DasTelefonbuch bietet den vollumfänglichen Überblick auf private und gewerbliche Teilnehmer in größeren Regionen wie z .B. Städten und Landkreisen. DasÖrtliche wiederum ist das lokale Telekommunikationsverzeichnis, das jedermann, sowohl Gewerblichen als auch Nutzern, am nächsten ist. Hier geht es wirklich um den Laden um die Ecke oder um die Telefonnummer des Vorsitzenden im Schützenverein.
business-on.de: Ihre Adress- und Telefon-Daten werden inzwischen auch kostenlos im Internet und für das Handy bzw. iPhone angeboten. Wie entwickeln sich Ihre Werbeeinnahmen speziell in den elektronischen Medien?
Patrick Hünemohr: Mit der Entwicklung unserer Werbeeinnahmen in den elektronischen Medien sind wir sehr zufrieden. Das Maß aller Dinge ist hierbei die Reichweite, die wie mit unseren Online-Verzeichnissen bieten können - die schlussendlich wieder unseren Werbekunden zugute kommt. Gemäß den aktuell veröffentlichten AGOF internet facts 2009 (Quartal 4/2009) liegen wir mit www.dasoertliche.de (4.9 Mio. Unique User) auf Position 18 und mit www.dastelefonbuch.de (4.8 Mio. User) auf Position 19 der reichweitenstärksten Websites in Deutschland! Mit dieser Position können wir unsere elektronischen Umsatzanteile schon heute auf ein gutes zweistelliges Niveau bringen - das freut uns sehr! Die nächste Entwicklungsstufe in dieser Beziehung wird die Vermarktung unserer mobilen Plattformen bieten. Ein gutes Beispiel hierfür sind unsere iPhone Apps! DasTelefonbuch wurde seit seinem Start rd. 850.000 mal installiert - das bedeutet, wir sind schon heute fast auf jedem zweiten iPhone Zuhause! Hier haben wir noch keine werbefinanzierte Modelle am Start - werden dazu aber in den kommenden Monaten erste Konzepte austesten und gemeinsam mit unseren Nutzern und Werbekunden Erfahrungen sammeln.
business-on.de: Glauben Sie, dass es kurz- oder mittelfristig zu einer Verlagerung der Werbeaufkommen zugunsten der elektronischen Medien kommen wird?
Patrick Hünemohr: Das glaube ich nicht nur, ich weiß es. Da heute bereits 70% der dt. Bevölkerung über 14 Jahren "Online" sind ist das ja auch nichts wirklich Neues, sondern nur die Fortschreibung einer bereits seit Jahren erkennbaren Entwicklung. Gemäß der alten Weißheit, dass Inserentenströme Nutzerströmen folgen, wird es zu einer stärkeren Entwicklung auf Seiten der Online- und Mobilerlöse führen. Jeder Verlagsmanager, der davor die Augen verschließt, handelt töricht!
business-on.de: Die Elektronik bietet viele Möglichkeiten, das Angebot zu veredeln. Gibt es Pläne in Ihrem Haus, dem Nutzer kostenpflichtige Zusatzfunktionen zur Verfügung zu stellen?
Patrick Hünemohr: Sag niemals Nie - aber ich sehe derzeit nicht, warum wir unser Erfolgsrezept der rein werbefinanzierten und damit für den Nutzer kostenlosen Verzeichnisse mit den richtigen und vollständigen Daten zum Produkt- und Dienstleistungsangebot vor Ort aufgeben sollten. Dass wir dennoch mit großem Interesse beobachten, ob Zeitungsverlage in der Lage sein werden, Bezahlschranken für ihren Content durchzusetzen, ist ja wohl klar. Meine persönliche Einschätzung dazu: es wird nicht funktionieren! Der Grund liegt auf der Hand - sobald Bezahlsysteme für Content aufgebaut werden, führt es in allen uns bekannten Projekten zu einem Reichweitenverlust auf die bisherige Grundgesamtheit der Nutzer. Ich kenne bisher keine "Online-Marke" die das auf Dauer durchgehalten hat.
business-on.de: Die Netzanbieter verdienen an jeder mobilen Auskunft mit. Bekommen Sie davon etwas ab?
Patrick Hünemohr: Nein! Es ist uns bisher auch noch nicht gelungen das Apple Modell einer Sharebeteiligung für die Nutzung von Diensten und Endgeräten zu realisieren (lacht!)!
"Die Einführung neuer TLDs bringt eine Menge Chancen für die hiesigen Unternehmen"
business-on.de: Sie haben kürzlich beim ECO-Verband einen Vortrag mit dem Thema: Relevanz neuer geoTLDS für die lokale Suche via Web und Mobile gehalten. Gibt es für die TLDS (Top Level Domains) neue Geschäftsmodelle?
Patrick Hünemohr: Die geplante Einführung neuer TLDs wie z.B. ».koeln« anstelle von ».de« bringt eine Menge Chancen für die hiesigen Unternehmen und Privatpersonen. Ich will Ihnen dazu ein Beispiel geben: schon heute haben rd. 20% unserer Kunden einen lokalen Bezug wie z.B. »mustermann-koeln.de« in ihrer Internet-Adresse. Es gibt also einen großen Bedarf an regionaler Zuordnung. Mit der Namensraumerweiterung .koeln erhalten Unternehmen die Chance neue Wertschöpfungspotentiale für die hiesige Region zu entwickeln - denken Sie da nur einmal an Adressen wie hotel.koeln, restaurant.koeln, kino.koeln oder shopping.koeln! Wenn die Umsätze, die über diese Portale laufen werden dann nicht nur zu 50% sondern zu 100% in der Region bleiben zeigt das, welches Potential hier liegt.
Es bewahrheitet sich einmal mehr die Weisheit: "All Business is local".
business-on.de: Mit welchem Ziel nutzen Sie persönlich bzw. als Geschäftsführer von Greven`s soziale Netzwerke, wie Facebook & Co?
Patrick Hünemohr: News in Echtzeit und der Kontakt in meine Branche und zu Geschäftspartnern, sind meine Triebfedern für das Social Networking. Was mir bei twitter besonders gut gefällt, ist der mittlerweile wirklich weltumspannende Kontakt in meine Branche - so schnell bin ich mit keiner anderen Plattform an den neusten Entwicklungen dran. Facebook wollte ich - zur Abwechslung - nur auf "echte" private Freunde beschränken, aber das gelingt mir nicht wirklich ... (lacht!)
business-on.de: Wie beurteilen Sie die generelle Entwicklung der sozialen Netzwerke?
Patrick Hünemohr: Es zeigt sich wieder einmal, dass menschliche Bedürfnisse wie z.B. das Bedürfnis nach Kommunikation, nicht allein durch Technologie zu befriedigen ist. Facebook konnte im Dezember 2009 bereits mehr Internetverkehr verzeichnen als Google, das zeigt auf, welche Macht und Power sich mittlerweile hinter sozialen Netzwerken verbirgt. Das wird auch Auswirkungen auf das Marketing für kleine und mittlere Unternehmen haben. Wir beobachten diese Entwicklungen sehr genau und haben bereits einiges im Köcher, lassen Sie sich dazu in den nächsten Wochen mal von uns überraschen.
business-on.de: Welche Rolle wird SEO und SEM in Zukunft spielen?
Patrick Hünemohr: Untersuchungen nicht nur von uns, sondern auch von Unternehmen wie Procter & Gamble haben gezeigt, dass Online-Marketing und insbesondere SEO und SEM, also die Optimierung der eigenen Seiten und der Textanzeigen auf bestimmte Suchworte, die Wirkung klassischer Maßnahmen deutlich verstärkt. Wenn die Big Spender des Marketing nun TV-Werbung mit einer Online-Strategie ergänzen, wird der Wettbewerb um die besten Plätze noch zunehmen.
Für kleine und mittlere Unternehmen gilt es dann, mit einer regional und lokal zugeschnittenen Guerilla-Strategie optimale Ergebnisse zu erzielen. AdoraMedia, eine 100%ige Tochter unserer GREVEN Verlagsgruppe, hat sich genau auf diese Marktanforderung spezialisiert und bietet entsprechende maßgeschneiderte performanceorientierte digitale Werbekonzepte an. Mit mehr als 500 Kunden zählen wir damit schon 2 Jahren seit Gründung zu den 3 größten Agenturen in diesem Umfeld in der Region!
Wir gehen aber noch einen Schritt weiter: mit suchen.de betreiben wir gemeinsam mit vielen weiteren Verlagskollegen in ganz Deutschland eine auf lokale Suchergebnisse spezialisierte Suchmaschine mit einem enormen Reichweitennetzwerk, in das neben dasoertliche.de, dastelefonbuch.de und gelbeseiten.de z.B. auch T-Online, kennst-du-einen.de und wissen.de integriert sind. Über unsere Website greven.de können sie bequem in 3 Schritten eine Buchung mit regionalem Targeting aufsetzen. Wer also eine einzige Anlaufstelle für performanceorientiertes lokales Onlinemarketing sucht, ist in diesem Netzwerk bestens aufgehoben.
(Karin Bäck)
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