30.04.2009  11:18 Uhr

Welttag der Immunologie
Ärzte und Ökonomen diskutieren über Versorgungsdefizit von Patienten mit angeborenen Immundefekten

Köln. Das unspezifische Krankheitsbild angeborener Immundefekte erschwert die Diagnose und Therapie vieler Betroffener. Die mangelnde Kostenerstattung durch das Gesundheitssystem verschärft die Situation zusätzlich. Auf dem Expertenforum „Primäre Immundefekte - aktuelle Herausforderungen in Diagnostik und Therapie“ prüfen jetzt Ärzte und Entscheidungsträger aus dem Gesundheitswesen anlässlich des Welttages der Immunologie am 29. April 2009 den Einfluss dieser Faktoren auf die Diagnoserate.

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Video zum Welttag der Immunologie

Veranstaltet wurde das Expertenforum von der Nordrheinischen Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung. Professor Dr. Reinhard Griebenow, Vorsitzender des Fortbildungs- ausschusses der Nordrheinischen Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung: „Mit der Veranstaltung möchten wir die Ärzteschaft, aber auch die Öffentlichkeit sowie Politiker für das Krankheitsbild primäre Immundefekte sensibilisieren, um so langfristig eine schnelle Diagnose und angemessene Therapie zu gewährleisten.“ Auf dem Forum in Köln stellten Experten jetzt die neusten Forschungserkenntnisse vor und erörterten die Gründe der mangelnden Versorgung. 

Expertenschätzungen zufolge leiden in Deutschland rund 100.000 Menschen an einem angeborenen Immundefekt. Allerdings sind bisher nur 2.000 Patienten diagnostiziert, denn der Defekt wird häufig gar nicht oder erst viel zu spät erkannt. Eine späte Diagnose kann im schlimmsten Fall tödliche Folgen haben.

Professor Reinhard Griebenow und Professor Tim Niehues vom HELIOS-Klinikum Krefeld führten die interessierten Zuhörer in die Thematik ein. Niehues referierte außerdem über die Therapie von angeborenen Immundefekten. Weitere Vorträge erläuterten die Symptome und Diagnosemöglichkeiten und hoben die Bedeutung einer flächendeckenden Aufklärung der Ärzte hervor.

Zwei Vorträge thematisierten den Einfluss des deutschen Gesundheitssystems auf die Diagnoserate. Dr. Stephan Kaiser von der Prüfungsstelle Wirtschaftlichkeitsprüfung Sachsen-Anhalt stellte die Frage: „Arzneimittelregress wegen Behandlung chronisch kranker Patienten – eine berechtigte Sorge?“ Die Erstattungspolitik im deutschen Gesundheitswesen veranschaulichte Dr. Markus Lüngen vom Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie der Kliniken der Universität zu Köln.

Die Folgen dieser Politik für die Betroffenen diskutierten die Experten abschließend in einem Roundtable-Gespräch. Gabriele Gründl, Bundesvorsitzende der Deutschen Selbsthilfe Angeborene Immundefekte e.V., erläuterte aus Patientensicht, was eine späte Diagnose und mangelnde Versorgung von Patienten mit primären Immundefekten zur Folge hat. In einem Punkt waren sich am Ende alle einig: Eine flächendeckende Versorgung in dafür vorgesehenen Spezialambulanzen muss zum Tragen kommen. Dafür setzten sich alle Beteiligten ein – um Leben zu retten. 


 

(Redaktion)

  • Tags:
  • Immunologie
  • Immundefekt
  • angeborene Immundefekte
  • Kostenerstattung
  • Primäre Immundefekte
  • Dr. Reinhard G



 


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