15.10.2009  08:37 Uhr

Toyota
Keiji Sudo: Feldversuch mit Plug-In-Hybridfahrzeugen

Köln-Bonn. Keiji Sudo, seit 2007 Managing Director der Toyota Deutschland GmbH mit Sitz in Köln, rechnet mit einem rückläufigen Gesamtautomarkt in 2010. Der Japaner ist seit fast dreißig Jahren bei Toyota in verantwortungsvollen, überwiegenden Oversea-Aufgaben tätig. Seine Hobbies sind Golf, Lesen, Fahrrad fahren und Musik. business-on.de interviewte ihn zur Produktpolitik von Elektro- und Hybridfahrzeugen.

business-on.de: Im Mittelpunkt der 63. IAA standen Elektro- und Hybridfahrzeuge. Herr Sudo, sehen Sie Ihren Vorsprung (der zweimillionste Hybrid Prius wurde gerade verkauft) in ein paar Jahren gefährdet, wenn die Konkurrenz mit ihren vorgestellten Prototypen in Serie geht?

Keiji Sudo: Seit 1997 bauen wir den Hybridantrieb in Serie und seit diesem Sommer ist bereits die dritte Generation des Toyota Prius im Verkauf. Nächste Schritte werden Plug-In-Hybridfahrzeuge sein, mit denen man kürzere Distanzen rein elektrisch zurücklegen kann und bei längeren Strecken auf die seit nunmehr 12 Jahren bewährte Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor zurückgreifen kann. Einen Durchbruch für Hybridfahrzeuge erwarten wir erst dann, wenn auch andere Hersteller in größerem Maße Hybridfahrzeuge anbieten werden. Insofern begrüßen wir jeden Wettbewerb.

business-on.de: Auf der IAA stellten Sie den Golf-Konkurrenten Auris mit Hybridantrieb vor, der im Herbst 2010 auf den Markt kommen soll. Kommt ein Vollelektrofahrzeug für Toyota nicht in Frage?

Keiji Sudo: Auf dem Weg zum massentauglichen Elektroauto sind noch zahlreiche Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Bis dahin ist ein Hybridantrieb und in nächster Stufe ein Plug-In-Hybridfahrzeug eine gute Alternative. Wir rechnen damit, dass zu Beginn der nächsten Dekade 1 Million Hybridfahrzeuge jährlich von Toyota verkauft werden. Aber natürlich arbeitet das Unternehmen auch an reinen Elektrofahrzeugen und wird in den USA im Jahr 2012 damit auf den Markt kommen.

business-on.de: Welche Philosophie vertritt Toyota mit einem Plug-In-Hybrid?

Keiji Sudo: Mit einem Plug-In-Hybridfahrzeug kann man auf innerstädtischen Distanzen bis etwa 20 km rein elektrisch fahren. Sind längere Fahrten geplant, greift man auf den Hybridantrieb, also die Kombination aus einem Elektro- undeinem Verbrennungsmotor zurück. Toyota startet dazu Anfang 2010 einen Feldversuch mit 150 Plug-In-Hybridfahrzeugen in Europa.

business-on.de: In der Wirtschaftswoche heißt es, dass Toyota mit jeder neuen Hybridgeneration die Kosten halbieren will. Inwieweit wird sich das in Zukunft auf den Anschaffungspreis auswirken?

Keiji Sudo: Verglichen mit dem Vorgängermodell haben wir die Kosten für den Hybridantrieb im aktuellen Prius nochmals um 30 Prozent reduzieren können. Preislich liegen wir mit der dritten Generation schon jetzt auf dem Niveau einer vergleichbaren Mittelklasselimousine, wie dem Toyota Avensis. Wenn wir im Herbst 2010 den Auris Hybrid einführen, können Sie davon ausgehen, dass auch der einen marktgerechten Preis haben wird.

business-on.de: Wieviel Zukunft hat aus Ihrer Sicht die Brennstoffzelle?

Keiji Sudo: Toyota begann schon im Jahr 1992 mit der Entwicklung von Brennstoffzellenfahrzeugen. Ende 2002 gingen die ersten Versuchsfahrzeuge an Flottenkunden in Japan und den USA, 2005 und 2008 wurden diese gegen weiterentwickelte Modelle ausgetauscht. Toyota sieht für Brennstoffzellenfahrzeuge ein großes Potenzial und investiert weiter in die Forschung. Wir gehen aber davon aus, dass sie sich kurzfristig noch nicht durchsetzen werden, weil nach wie vor geeignete Infrastrukturen fehlen.

business-on.de: Wie beurteilen Sie den Automobilmarkt nach der Abwrackprämie? Wie schnell wird sich der Kleinwagenmarkt erholen?

Keiji Sudo: Das Jahr 2010 wird für alle Hersteller in Deutschland ein sehr schwieriges Jahr werden, da sich der Gesamtmarkt rückläufig entwickeln wird. Es gibt unterschiedliche Prognosen, wie stark dieser Rückgang ausfallen wird. Wir gehen aber davon aus, dass wir erst im Jahr 2011 wieder mit Wachstum rechnen können.


 

(Karin Bäck)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Toyota Deutschland GmbH

 


 

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