Klaus Burmeister
Megatrends der Zukunft
Köln. Klaus Burmeister, gelernter Starkstromelektriker, Dipl.-Politologe und Zukunftsforscher, gründete 1997 die Unternehmensberatung Z_punkt GmbH – The Foresight Company. Das erfolgreiche Unternehmen versteht sich als Think Tank für strategische Innovations- und Zukunftsprozesse mit dem Blick über den Tellerrand. business-on.de sprach mit Klaus Burmeister über die Megatrends der Zukunft.
Nach seinem Studium war Klaus Burmeister, 55, zunächst als Wissenschaftler an der FU Berlin tätig. Der Wechsel an das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und später zum Sekretariat für Zukunftsforschung (SFZ) stellte die Weichen für seine weiteren beruflichen Ambitionen. Der Entschluss, eine eigene Firma zu gründen, entstand aus der Erkenntnis, dass Unternehmen bis dato keinen Zugang zu Trend- und Zukunftswissen hatten, erklärt der Dipl.-Politologe. Heute beschäftigt die Foresight Company 22 Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Wissenschaftsbereichen. Sie denken und forschen in einem eindrucksvollen Ambiente - einem der letzten alten Backsteinhäuser mitten im Kölner Rheinauhafen. Die Geschäftsführung teilt sich Klaus Burmeister mit Andreas Neef und Cornelia Daheim. Mit Blick auf zwölf Jahre Beratungstätigkeit in Sachen strategischer Innovations- und Zukunftsprozesse kann man zweifelsfrei von einer erfolgreichen Zeit sprechen. Beweis dafür ist schon allein die Referenzliste, die sich wie das Who is Who der deutschen Wirtschaft liest.
Zukunft kann nicht monokausal betrachtet werden
Auf welchem schmalen Pfad sich Zukunftsforschung bewegen kann, zeigen Zitate von Matthias Horx. 1997 prophezeite er, dass die Gene niemals entschlüsselt werden und 2001 befand der in Wien lebende Trendforscher, dass das Internet kein Massenmedium sei. Beides ist inzwischen widerlegt. Wie schwierig Vorhersagen sind, zeigen auch die Fehlprognosen bei Wachstum, Arbeitsmarktentwicklung, Steuerschätzung, etc.. Dahinter stehen seriöse Institute, die mit komplexen Trendmodellen, Spieltheorien, etc. agieren. Die Zukunftsforscher von Z_punkt haben einen anderen Ansatz. Im Gegensatz zur Einzeldisziplin versuchen sie in einem 360°-Blick möglichst viel von dem mitzubekommen, was Gesellschaft und Wirtschaft bewegt und verändert. Ihr Blick erfaßt soziale, kulturelle, ökonomische und ökologische Veränderungen mit dem Ziel, sie in einem übergeordneten, neuen Kontext zu verstehen. "Diese Sicht der Dinge fehlt bisher. Wir brauchen viel mehr Verständnis für übergreifende Fragestellungen, weil letztendlich kein Problem mehr monokausal ist", erklärt Klaus Burmeister.
Dazu nutzt die Foresight Company Expertenwissen aus allen Disziplinen. Sie beschäftigen sich zwar auch mit Zahlen und Dokumentationen, aber ebenso wichtig ist ihnen eine kreative Annnäherung an die Zukunft. Sie propagieren Offenheit im Denken, Denken in Analogien auch unter Einbeziehung der Vergangenheit. "Zukunft wird erst dann verständlich, wenn man weiß, wie die Gegenwart zustandegekommen ist", so der Zukunftsforscher. Das breite Forschungsfeld von Z_punkt wird in 20 Megatrends beschrieben, die man u.a. im Internet und in einer kleinen, gedruckten Fibel nachlesen kann. business-on.de hat sich einige Trends davon herausgepickt und sehr schnell verstanden, dass ein Megatrend immer gleichzeitig mit den restlichen 19 verquickt ist. Klar, um Klaus Burmeister sind Forscher mit 360°-Blick.
business-on.de: Herr Burmeister, lassen sie uns mit Ihrem Megatrend Gesundheit beginnen. Auf was soll sich der Bürger einstellen?
Klaus Burmeister: Sicher ist, dass der Einzelne eine höhere Verantwortung für sein persönliches Wohlbefinden übernehmen muss.
business-on.de: Zum boomenden Gesundheitsmarkt zählt Z_punkt auch Nahrungsmittel wie Functional Food, Gen Food, Novel Food, die von den Konsumenten zum größten Teil abgelehnt werden.
Klaus Burmeister: Wir brauchen neue Wege, um ein ausreichendes Angebot an Nahrungsmitteln sicherzustellen. Wahrscheinlich auch mit gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln. Durch Bevölkerungswachstum sowie Klimawandel und dadurch bedingte Schrumpfung von Anbauflächen entsteht eine absehbare Nahrungsmittel-Knappheit. Für die Industrie ist das insofern interessant, weil sie einerseits entsprechende Pflanzen produzieren und andererseits Nahrungsmittel mit Nährstoffen anreichern kann. Allerdings muss sie dann aber auch im Dialog mit dem Verbraucher deutlich machen, dass diese neuen Nahrungsmittel einen Zusatznutzen bieten und kein Risiko darstellen.
business-on.de: Vor kurzem wollte Madagaskar 50 Prozent seiner Agrarfläche an einen chinesischen Konzern verkaufen. Der Deal platzte. Ist das ein neuer Trend, sich Anbauflächen zu sichern?
Sicherung der Ernährungsgrundlage
Klaus Burmeister: Ja. Große Flächen sind bereits in Sudan, Kenia und Äthiopien verkauft. Es sind insbesondere asiatische Länder wie China, aber auch OPEC-Länder, die sich einkaufen. Es gibt mehrere Gründe dafür, aber strategisches Hauptziel ist die Sicherung der eigenen Ernährungsgrundlage und ein Stück Unabhängigkeit beim Einkauf.
business-on.de: Sie sprachen vom Bevölkerungswachstum. Gibt es Prognosen über das Ausmaß?
Klaus Burmeister: Es gibt sichere Prognosen, dass die Anzahl der auf diesem Globus lebenden Menschen bis 2050 auf 8-9 Milliarden Menschen wachsen wird. Eine der wichtigen Fragen ist, was die Länder mit Überpopulation machen werden. Bleiben die Menschen in den Ländern? Es gibt ja bereits europäische Abkommen mit Libyen, die verhindern sollen, dass Menschen mit Booten nach Italien kommen. Unsere Intention ist, darauf hinzuweisen, dass Lösungen gefunden werden müssen, die die Teilhabe am Wohlstand gerecht verteilt und damit auch den Zwang zur Migration mindern. Das ist nicht nur eine Aufgabe der Politik, der Gesellschaft oder der Ökonomie. Wir brauchen dafür Arrangements mit neuen supranationalen Institutionen, die sich auf Uno- oder Europa-Ebene Kapazitäten für Problemlösungen schaffen, sozusagen im Sinne einer antizipativen Friedens- und Konfliktforschung.
business-on.de: Z_punkt weist auch auf einen Trend zur kulturellen Vielfalt hin, beispielsweise durch das Entstehen hybrider Kulturen. Was muss man sich darunter vorstellen?
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