26.04.2007  15:32 Uhr

"Ich glotz TV" war gestern
Millionen-Deal um Kölner Internet-Company sevenload.de

Mit Digicam und Camcorder eigene Inhalte schaffen

WEITERE INFOS:

business-on.de: Welche Motive haben die Leute, ihre privaten Videos und Bilder auf sevenload hoch zu laden und öffentlich zur Schau zu stellen? Das sind ja nicht nur (Nachwuchs-)Künstler. Gibt es auch Sex (Porno) im Angebot? Gibt es eine Zensur?

Axel Schmiegelow: Ja, es gibt eine Zensur, indem wir kein pornografisches, sittenwidriges oder volksverhetzendes Material auf sevenload zulassen. Erotische Inhalte sind jedoch erlaubt. Treibfeder der Nutzer ist nicht Exhibitionismus, sondern die Freude daran, ihren Interessen gemeinsam mit anderen folgen zu können.

Die Motive der User liegen klar auf der Hand: Der moderne Mensch hat die technischen Mittel um eigenständig Medieninhalte zu produzieren. Nebst Weblogs in meist textbasierter Form zählen die audiovisuellen Medieninhalte zu dem stärker werdenden Mitteilungsbedürfnis der Gesellschaft. Mit dem Einzug der Digitalkameras und Camcorder in den Alltag hat daher nahezu jeder Mensch die Möglichkeit, eigene Inhalte zu erzeugen. Der klassische Diaabend kann von Freunden aus dem Büro gesehen werden, Videos verstopfen nicht mehr die E-Mail Kommunikation, der User kann seine für ihn relevanten Informationen und die dazugehörige Unterhaltung bequem und eigenständig produzieren und konsumieren.

Die Community bereinigt sich wie von selbst, indem jedes Bild oder Video bei potentiellen Verstößen gegen die sevenload Nutzungsbedingungen von den Usern eigenständig gemeldet werden kann.

Das sevenload-Supportteam überprüft die Meldungen auf ihre Richtigkeit und sperrt die entsprechenden Inhalte. Gleichzeitig wird das Angebot kontinuierlich durch die Supporter gesichtet, jedoch werden die Inhalte nicht vor der Veröffentlichung moderiert oder zensiert.

business-on.de: Wird sevenload auch ins Ausland expandieren?

Axel Schmiegelow: Die internationale Expansion hat begonnen und die jeweiligen Plattformen werden dazu mit entsprechenden Inhalten schon durch die User gefüttert. Generell werden sich diese Inhalte deutlich von auf der deutschsprachigen Seite sichtbaren Bildern und Videos differenzieren, um insbesondere die globalen und lokalen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu achten. International anerkannte Experten und Medienpartner stehen sevenload zur Erreichung dieser Expansion zur Seite.

„TV war gestern“

business-on.de: Gibt es schon eine deutsche Ausgabe von YouTube?

Axel Schmiegelow: Die Idee, eine Plattform auf Basis der fortschreitenden Digitalisierung von Medieninhalten in einem großen sozialen Netzwerk anzubieten, inspirierte zum Aufbau von sevenload. Der Gedanke, mit einer sozialen Community zur aktiven Veränderung der traditionellen Medienlandschaft beizutragen, nimmt durch die kontinuierliche Entwicklung von sevenload Realität an. sevenload wird auf internationaler Ebene als direkte Konkurrenz zu den englischsprachigen Anbietern gesehen und gilt als deutsches YouTube und deutsches Flickr. Dennoch ist wichtig zu betonen, dass YouTube im Wesentlichen eine von Nutzern angefütterte Suchmaschine für einzelne Videos ist, während sevenload Treiber der Konvergenz von TV und interaktiven Medien ist und Nutzern die Wiedererkennung einer Vielfalt von Programmen, Formaten, und Autoren bietet. TV war gestern.

business-on.de: Wie können die Initiatoren und Investoren mit Sevenload Geld verdienen? Die Financial Times Deutschland schreibt über einen „erwarteten“ Umsatz für 2008 von 130 Mio. Euro und einen Gewinn von 10 Mio. Euro

Axel Schmiegelow: sevenload verfügt über verschiedene Einnahmequellen: B2C über klassische Werbeformate und Sponsoring, B2B mit speziellen Unternehmenslösungen / White Labels. Ebenso zählt die Vermarktung der Medieninhalte durch eine Hand zu den Kernkompetenzen von sevenload. Die Company ist heute schon profitabel und wird mit schon über 30 Mitarbeitern die von Ihnen zitierten Erwartungen, die nicht ganz korrekt aber nah an der Realität sind, für dieses und das nächste Jahr voraussichtlich erfüllen – basierend auf bereits abgeschlossenen Verträgen.

business-on.de: Axel Schmiegelow, wir danken im Namen unserer User für diese Informationen.


 

(Ulrich Gross)

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1 Kommentar »

29.01.10 00:34 Uhr
Axel Schmiegelow
Wichtige Korrektur
Da dieser Artikel immer noch zitiert wird müssen wir eine Klarstellung nachreichen. Seinerzeit (knapp ein Jahr nach Gründung) hatten wir natürlich nicht und auch nicht annähernd 130 Mio. Umsatz und 10 Mio. € Gewinn, sondern wir hatten eine Finanzierungsrunde abgeschlossen, bei der nach einer Lesart und ohne Berücksichtigung von Details man von einer Bewertung von mehr als 100 Mio. € sprechend konnte und der Gesamtwert der Media- und Cashleistungen unserer Investorenrunde 10 Mio. € überstieg.

in Telefoninterviews werden solche komplexeren Sachverhalte manchmal missverstanden, uns hätte es früher auffallen müssen.
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