19.12.2006  12:27 Uhr

Le Petit Poisson
16 Champagner, 350 Weine

Köln. „Le Petit Poisson“ in Bonn überzeugt seit 30 Jahren durch seine ungewöhnliche Spitzenküche und eine extravagante Wein- und Champagner-Kollektion. Kenner und Genießer zählen das Restaurant zu den fünf oder sechs besten der Bundesstadt, obwohl Tester von Michelin & Co nicht gerne gesehen sind.

Zufälle gibt’s: der Chef heißt Ludwig, seine wichtigste Mitarbeiterin Johanna und beide mit Nachnamen Reinarz. „Aber wir sind weder verheiratet noch verwandt,“ klärt „sie“ auf. Vielleicht sind sie gerade deshalb solch ein gutes Team. Ludwig Reinarz kommandiert in der Küche des „Le Petit Poisson“, Johanna Reinarz dirigiert im Restaurant. Beide zusammen schaffen es immer wieder, ihren Gästen das Gefühl von Behaglichkeit und Gemütlichkeit zu vermitteln.

Nur 55 Plätze hat das kleine Restaurant, das sehr liebevoll mit vielen ausgesuchten Antiquitäten und originellen Sammlerstücken eingerichtet ist. In diesem gepflegten Rahmen macht es großes Vergnügen, Maine Hummer mit Linsensüppchen, Kalbskopf mit Garnelen und Balsamico-Vinaigrette oder Atlantik-Steinbutt in Champagner-Senfsauce zu verspeisen. Die drei Menus in der Preislage zwischen 40 und 60 Euro sind immer zu empfehlen, ebenso aber auch die Spezialitäten von der Karte, z. B. die „plat du jour“ (ca. 27 Euro) und manche andere perfekt zubereitete Gerichte. Sylter Austern Royal, überbacken mit Curry-Sabaione, kitzeln die Geschmacksnerven auf neue Weise (15 Euro). Wer’s lieber traditionell und ohne Chi-Chi mag, dem sei das Wiener Schnitzel mit Kartoffel-Zucchini-Salat empfohlen. (nicht deutlich billiger als die plat du jour, aber...)

Fische können schwimmen

Fische sollen schwimmen. Ob in Bonner oder französischem Wasser, edlem Champagner oder den besten Tropfen aus den Weinregionen der Welt ist unter anderem eine Sache des Geschmacks und der Brieftasche. Im „Petit Poisson“ hat jeder Gast die Qual der Wahl. Denn rund 350 Weine und allein 15 Champagner fordern den Kenner und Genießer. Ein paar Highlights gefällig? Der 45er Château Lafite-Rothschild 1er Cru zum Freundschaftspreis von 3.000 Euro? Der rosé Dom Pérignon für 460 Euro ist dagegen fast erschwinglich. Und der 95er Krug Vintage kostet "nur" 95 €.

Ludwig Reinarz stammt von der Ahr, wo seine Familie eine Brennerei hatte. Das Talent zum Kochen verdankt er seiner Großmutter. Er pflegt seine Weinkarte mit außerordentlicher Hingabe. So gibt er bei vielen Flaschen kenntnisreich an, aus welchen Trauben die Cuvées komponiert wurden. Positiv auch die vielen halben Flaschen, da lässt sich leichter der passende Wein zum jeweiligen Gericht ordern. Von den deutschen Spitzenwinzern hat Reinarz repräsentative Tröpfchen auf der Karte, Maximin Grünhäuser pflegt er als „Winzer des Jahres 2006“, Dr. Heger ist prominent vertreten, ebenso Franz Künstler und der Ahr-Guru Werner Näkel, der mit sechs Kreszenzen zu finden ist.

Ludwig Reinarz, der talentierte Chef, hat einen ganz eigenen Stil geprägt!, Copyright: Ludwig Reinarz, der talentierte Chef, hat einen ganz eigenen Stil geprägt!
Ludwig Reinarz, der talentierte Chef, hat einen ganz eigenen Stil geprägt!

Understatement als Geschäftsphilosophie

Als Bonn noch Bundeshauptstadt war, war das Petit Poisson auch mittags geöffnet. Doch seit die Lobbyisten und Spesenritter an der Spree tafeln, öffnet das sympathische Restaurant nur noch von dienstags bis samstags abends. Das Reinarz-Team bevorzugt Understatement als Geschäftsphilosophie. „Wir sind anders als andere“ sagt Johanna. „So hat der Chef dem Guide Michelin verboten, über uns zu berichten. Und auf Kritiken in anderen Magazinen legen wir auch keinen Wert“. Mit fünf Azubis und gut geschulten zuvorkommenden Profis ist der „kleine Fisch“ immer einen Besuch wert, bei dem alle kulinarischen Erwartungen erfüllt werden. Nur schade, dass 2014, also schon in acht Jahren, Schluss ist. Ludwig und Johanna Reinarz planen heute schon ihren Ruhestand.

Last but not least muss ausdrücklich erwähnt werden, wie liebevoll Vierbeiner hier verwöhnt werden. Eine warme Decke schützt gegen die Kälte von den Bodenfliesen, frisches Wasser kommt unaufgefordert zusammen mit einer Keksdose voller Leckerli, sprich Hundekuchen.

Weitere Informationen: 0228- 633883


 

(Ulrich Gross)

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Nur 55 Plätze gibt es in dem mit vielen Antiquitäten und Sammlerstücken dekorierten "Petit Poisson"
Bild Nr. 2 © Ludwig Reinarz, der talentierte Chef, hat einen ganz eigenen Stil geprägt!



 


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