Mach den Stress zu deinem Freund!
Köln. Der Stress, ein Freund? Hat nicht die Weltgesundheitsorganisation WHO vor noch nicht allzu langer Zeit den Stress als „größte Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet? Schließlich sagen Experten, dass rund ein Drittel aller Krankheiten stressbedingt seien. Und auch jeder dritte Verkehrsunfall soll auf das Konto von Stress gehen. Die WHO hat wohl Recht mit ihrer Aussage.
Markus Frey ist Coach und Trainer und als solcher Stress-Experte und Fachmann für Burnout-Prävention. Bekannt geworden ist er insbesondere durch sein Hörbuch "Mit Stress zur Spitzenleistung" und als Autor vieler Fachartikel über den effektiven und gesunden Umgang mit Belastungen unterschiedlicher Art.
Andererseits hat der Vater der Stressforschung, der Österreich-Kanadier Hans Selye, den Stress einst als „Würze des Lebens“ bezeichnet. Und auch Hans Selye hat Recht. Denn Stress steht in aller Regel auch als unersetzlicher Motivator, wenn es um die Entwicklung unterschiedlicher Fähigkeiten und das Hinausschieben von bisherigen Leistungsgrenzen geht.
Mit dem Stress verhält es sich also wie mit einem Mitarbeiter, der nicht nur in jeder Firma und Organisation, sondern auch bei jeder Einzelperson fest angestellt und außerdem unkündbar ist. Ein Mitarbeiter, der das Potential zu beidem hat: zum Top-Mitarbeiter wie zum Flop-Mitarbeiter. Entscheidend ist ein cleveres und vorausschauendes Management von „Mitarbeiter Stress“. Ein „Personalmanagement“ der besonderen Art sozusagen.
Leider neigen nicht nur viele Unternehmer und Führungskräfte, aber eben auch sie, in Gegenwart von „Mitarbeiter Stress“ zu Denk- und Verhaltensweisen, die ihnen weiter Energie entziehen, statt ihnen neue zuzuführen. So sind sie immer weniger in der Lage, ihren „Mitarbeiter Stress“ zu führen. Er wird immer mehr zum „Flop-Mitarbeiter“, der immer stärker die Gesundheit angreift. Und immer häufiger kommt es in der Folge auch zum so genannten „Burnout-Syndrom“, d.h. dem Betroffenen ist jegliche Energie und Eigeninitiative entzogen. Wenn überhaupt, dann funktioniert er nur noch auf sehr niedrigem Niveau („Dienst nach Vorschrift“, bzw. „innere Kündigung“) und wird auch immer krankheitsanfälliger. Doch all dies muss nicht sein. Schon mit einigen wenigen, aber äußerst wirkungsvollen, Denk- und Verhaltensänderungen tun wir nicht „nur“ unserer Gesundheit einen großen Dienst. Wir verbessern insgesamt unsere Fähigkeiten, mit „Mitarbeiter Stress“ umzugehen. Und so kann aus „Mitarbeiter Stress“ tatsächlich ein echter Top-Mitarbeiter werden. Ein Freund, der uns dabei unterstützt, unsere Grenzen zu erweitern und unsere Leistungsfähigkeit auszubauen.
„PE-Maßnahmen“ für „Mitarbeiter Stress“
1. Gedankenmanagement
Nichts setzt uns so unter Stress, wie unsere eigenen Gedanken. Sie erst sorgen in aller Regel dafür, dass wir Cortisol und Adrenalin, die beiden wichtigsten Stresshormone, produzieren. Ohne die physiologischen Zusammenhänge genau zu kennen, drückte es der griechische Philosoph Epiktet schon vor 2000 Jahren sinngemäß so aus: „Es ist nicht entscheidend was passiert, sondern die Meinung, die wir von dem haben, was passiert.“
Tipp: Vor allem bei stressauslösenden Gedankengängen, die immer wiederkehren und für den einzelnen Betroffenen typisch sind, ist der so genannte „Gedankenstopp“ von hohem Nutzen. Wenn jemand nun um solch einen typischen Gedankengang weiß („Wenn ich an das wöchentliche Meeting mit dem Chef schon nur denke, fange ich an zu kochen“), dann sagt er zu sich selbst „Stopp“ und unterstützt dies möglichst mit einer (das Gehirn) unterstützenden Körperbewegung, zum Beispiel dem Ballen der Faust. Danach wird ein positiv besetzter, vorformulierter (!) Gedanke „darübergeschoben“, z.B. „Ich gehe gelassen in das Meeting und kenne meine Ziele“.
So banal solche Selbstsuggestionen auf den ersten Blick erscheinen mögen, sie sind äußerst wirkungsvoll. Vor allem auch damit, dass auf diese Weise Stresshormone schnell abgebaut und die Fähigkeiten mit „Mitarbeiter Stress“ umzugehen ausgebaut werden können. Voraussetzung ist allerdings auch hier, dass sie konsequent eingeübt werden. Dies gelingt umso besser, wenn der Alternativgedanke nicht nur kurz und prägnant formuliert, sondern auch schriftlich festgehalten wird. Damit erhöht sich die Chance enorm, dass er in der Stresssituation auch schnell zur Verfügung steht.
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