Rapid Manufacturing
Die Evolution der Minifabriken - Die Technologie des Rapid Manufacturing
Köln-Bonn. Wir leben im Zeitalter der Massenproduktion. Überall auf der Welt laufen über die Produktionsstraßen der Industrie hunderttausendfach die gleichen Artikel – zusammengebaut aus standardisierten Einzelteilen. Diese Art der Produktion hat die Endprodukte um ein Vielfaches billiger gemacht, wie es beispielsweise der gegenwärtige Preis eines DVD-Players verdeutlicht – die Hightech-Geräte sind heute meist billiger als ein nettes Abendessen zu zweit.
Dennoch hat diese Entwicklung auch seine Schattenseite. Der Kampf um die immer billigere Produktionsweise in einem globalen Markt hat zu einer stetig steigenden Automatisierung der Industrie geführt, menschliche Arbeitskraft wird durch kostengünstigere Roboter ersetzt und für die Tätigkeiten, die noch kein Roboter übernehmen kann, nutzt manche Industrie die Arbeitskraft in Billig-Lohnländern – Nokia ist da nur ein Beispiel.
Ein Zaubermittel gegen hohe Kosten ist das „Rapid Prototyping“. Der Begriff bezeichnet computergestütztes Design (CAD) in Kombination mit 3D-Druckern. Die Paarung dieser zwei Technologien hat die Produktentwicklung erheblich erleichtert. Oftmals braucht es nur wenige Tage, um aus einer Idee einen Prototypen zu zeugen.
In Zukunft könnte sich die Produktion noch einmal erheblich beschleunigen: Aus dem Rapid Prototyping (RP) wird ein Rapid Manufacturing (RM) – statt anschauliche Prototypen fertigen schon heute industrielle RM-Maschinen auslieferungsfähige Endprodukte. Noch ist die Produktpalette, die 3D-Drucker ausspucken, recht schmal und die Anschaffungskosten der Hightech-Maschinen hoch, doch schon in naher Zukunft könnten diese Maschinen die gesamte Industrielandschaft verändern. Für einige Experten ist die Zukunftsvision einer post-industriellen, individualisierten RM-Gesellschaft nicht mehr fern. So schreibt der Technology Review-Journalist Niels Bohr: „ Ein weiter entwickeltes und erschwinglicheres Rapid Manufacturing könnte eines Tages im Prinzip eine regionale, dezentrale Produktion befördern.“ Es bräche das Zeitalter der Minifabriken an.
Dies sieht der renommierte Philosoph Frithjof Bergmann ebenso. Für ihn beginnt ein neues Zeitalter der industriellen Produktion. Der US-deutsche Wirtschaftsphilosoph ist überzeugt, dass mit der Evolution der technischen Möglichkeiten Maschinen schon bald in der Lage sein werden, sich selbst zu reproduzieren. Ist ein solcher Fabrikator einst auf dem Markt, würde es nicht lange dauern, bis jeder Mensch einen solchen Apparat zu Hause hat. Damit wäre man in der Lage beinahe jeden Gegenstand – vom Aschenbecher über Computer und Kleidung bis hin zum Zahnersatz –selber herzustellen, nur die benötigten Rohstoffe müsste man noch aufbringen.
Bergmanns Vision scheint näher denn je, gegenwärtig beginnen einige Unternehmen mit der personalisierten Produktion. Ausgerüstet mit 3D-Druckern produziert das deutsche Unternehmen „Fabidoo“ individualisierte Plastik-Figuren, ganz nach den Wünschen der Kundschaft. Bei den Plastikkameraden kann Form und Farbe selbst bestimmt werden, auch das eigene Gesicht kann man der Figur verpassen.
Das Unternehmen „Ponoko“ schöpft die Möglichkeiten der derzeitigen 3D-Drucker und schnellen Laser-Schneider noch weiter aus. Hier kann jeder Nutzer mit Hilfe eines Programms, das zum Download bereitsteht, seinen Wunschgegenstand selbst designen. Schickt man die erstellte Datei dann an „Ponoko“ wird der Gegenstand dort gefertigt und versandt. Auch bietet das Unternehmen die Möglichkeit, seine Designs direkt auf der Seite zum Verkauf anzubieten. Es beginnt die Zeit der serienmäßigen Unikatsanfertigung.
Kommentar:
Bahnt sich eine zweite industrielle Revolution an? Schon heute macht es die Technik möglich, eine ganze Reihe von Dingen jenseits der industriellen Fertigung zu produzieren. Man kann seine eigenen Bücher drucken, eigene CDs zusammenstellen oder Software programmieren. Gestützt wird dieser Trend durch die Schwarmbewegung hin zur Individualisierung und Open-Source Gesellschaft. Nach „print-on-demand“, „books-on- demand“ folgt nun das „product-on-demand“.
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(Björn Theis)
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