11.09.2007  16:57 Uhr

Rotary Club Köln-Kapitol
Neugründung mit Rotarierinnen

Köln. Angela Merkel, Margaret Thatcher, Sandra Maischberger und seit neuestem Monika Piel haben etwas gemeinsam – sie zählen zu den Promis unter den Rotarierinnen. Frauen sind erst seit 1989 im Rotary Club als Mitglieder zugelassen. Und in Köln erstmalig seit 2007. Der „gemischte“ Rotary Club Köln-Kapitol wurde kürzlich aus der Taufe gehoben. Business-on.de sprach mit der Präsidentin des neuen Clubs, Professor Dr. rer. nat. Margot Ruschitzka.

Mit einem feierlichen Akt wurde der Rotary Club Köln-Kapitol offiziell in die „Weltgemeinschaft der Rotarier“ aufgenommen. Die Urkunde übergab District-Governor Dr. jur. Jürgen Axer. In Köln ist es der siebte Rotary Club und der erste, der auch Frauen aufnimmt. Auf der so genannten Charta-Feier wurden 40 Gründungsmitglieder, darunter 17 Repräsentantinnen der Kölner Gesellschaft, zu Rotariern gekürt. U.a. sind dabei Monika Piel, Intendantin des WDR, Michael Garvens, vorsitzender Geschäftsführer des Köln Bonn Airports, Gräfin von Schwerin, Vizepräsidentin des Oberlandesgerichts, Bernd Streitberger, Dezernent für Stadtentwicklung. Das Durchschnittsalter im neuen Club ist 46. Darauf ist die Präsidentin Margot Ruschitzka besonders stolz, denn normalerweise liege der Schnitt bei 65.

Ehefrauen verhinderten „gemischten“ Rotary Club
Der erste Rotary Club wurde 1905 in Chicago gegründet. Chaotische Zustände in vielen amerikanischen Großstädten waren damals u.a. der Anlass, ein Netzwerk zu schaffen, in dem jeder entsprechend seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten Hilfsbedürftige unterstützt. Weltweit gibt es heute 31.000 Clubs in 166 Staaten mit rund 1,2 Millionen Mitgliedern. Rotary steht für Rotation, was sich inzwischen auf den jährlichen Wechsel der meisten Club-Ämter bezieht. Dass man sich so lange geziert hat, Frauen aufzunehmen, lag nicht in erster Linie an der machohaften Einstellung der Mitglieder, erzählt uns die Präsidentin Margot Ruschitzka. Es waren die Ehefrauen, die sich dagegen gewehrt haben.

Kontaktpflege
Wie und wann ein neuer Rotary Club gegründet wird, dafür gibt es relativ bürokratische Regelwerke, in der neuesten Version als Verfahrenshandbuch 2001 aufgelegt. Ob beispielsweise Frauen genehm sind, darüber entscheiden auch heute noch die Mitglieder. In Köln dachte erstmals der Rotary Club Am Rhein über die Aufnahme von Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts nach. Da der eigene Club bereits annähernd 100 Mitglieder hatte, entschied man, sich als Pate für einen neuen, gemischten Club stark zu machen. Die Begrenzung der Mitgliederzahl auf maximal 100 ist den Rotariern sehr wichtig. Hintergrund: Da es bei den wöchentlichen Treffen eine gewisse „Präsenzpflicht“ gibt, kann man von einer relativ festen Teilnehmerzahl ausgehen. Und die soll möglichst überschaubar bleiben, um persönliche Kontakte besser pflegen zu können, so Margot Ruschitzka.

Langwierige Aufnahme-Prozedur
Für die Aufnahme in einen Rotary Club gibt es keine Bewerbungsformulare. Die Auswahl neuer Mitglieder erfolgt ausschliesslich durch den Club, umgekehrt hat man keine Chance. Der Paten-Club war es denn auch, der sehr sorgfältig die Mitglieder für den neuen Club Köln-Kapitol aussuchte, erklärt die Präsidentin das Procedere. Bei der Recherche wird auf die gesellschaftliche Stellung und ein ausgeglichenes Verhältnis der Berufsbilder geachtet. Als aufgenommen gilt, wenn es keinen Widerspruch aus den eigenen Reihen gibt und die ausgewählte Person sich einverstanden erklärt mit Beitrag, Präsenzpflicht, etc.. Dass dies Zeit in Anspruch nimmt, erklärt sich von allein. Bis zur festlichen Gründung des „gemischten“ Rotary Club Köln-Kapitol dauerte es ein halbes Jahr. Bei der Namensgebung hat man sich von der romanischen Kirche St. Maria im Kapitol inspirieren lassen.

Internationale Kontakte

Weshalb lässt man sich zum Rotarier bzw. zur Rotarierin ernennen? Für Margot Ruschitzka ist es eine schöne Zweckgemeinschaft, in der soziale Ziele, aber auch gesellschaftliche Anliegen besser verwirklicht werden können. Eine wichtige Rolle spielt der internationale Aspekt. Typisches Beispiel: Als Professorin der Fachhochschule Köln hatte sie Praktikumsplätze für ihre Studenten in Detroit und Plymouth im US-Staat Michigan organisiert. Hochrangige Rotarier, wie beispielsweise der Stadtdirektor der „Motor City“, nahmen die Studenten während des Praktikums kostenlos in ihr Haus auf. Eine bessere Einbindung in das gesellschaftliche Leben einer fremden Umgebung gibt es nicht, so die Professorin. Nicht nur als Präsidentin – das Amt ist auf ein Jahr begrenzt – möchte Sie die Kontakte im Rotary Club dazu nutzen, den Nachwuchs zu fördern und Projekte zu initiieren, die der Stadt Köln zugute kommen. So verspricht sich Margot Ruschitzka besondere Unterstützung aus den Reihen der Rotarier auch bei der Umsetzung einer Wissenschaftslandkarte für Köln. Dabei handelt es sich um eine Initiative der städtischen Wissenschaftsrunde, die sie als Vorsitzende vertritt. Ähnlich einem Stadtplan sollen die Einrichtungen der Kölner Spitzenforschung auf einer Landkarte transparent gemacht werden.

Freundschaften pflegen, um anderen zu helfen
In der breiten Öffentlickeit gilt der Rotary Club als elitäre Gemeinschaft, in der sich die Mitglieder gegenseitig wirtschaftliche Vorteile verschaffen. Bisher wurde auch nichts unternommen, dieses negative Image abzubauen. Das soll sich in Zukunft ändern. „Wir wollen in der Kommunikation offensiver werden, um Spekulationen zu unterbinden“, kündigt die Präsidentin an. Wer weiss schon, dass allein die deutschen Rotary Clubs jährlich um die 30 Millionen Euro für soziale Projekte zur Verfügung stellen. Spenden von Mitgliedern werden für die Vergabe von Stipendien eingesetzt oder für die zahlreichen „Hands on – Projekte“, wie Lebensmittelspenden, Unterstützung von Altersheimen, etc.. Rotary-Ärzte sind beispielsweise ehrenamtlich tätig in der Bekämpfung von Kinderlähmung. Für Projekte wie „Lesen lernen“ werden Materialien zur Verfügung gestellt. Die Liste der Spenden von Rotariern für wohltätige Zwecke ist lang und hat Tradition. Denn der Wahlspruch lautet, Freundschaften untereinander zu pflegen, um anderen zu helfen.


 

(Karin Bäck)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Professor Dr. rer. nat. Margot Ruschitzka, Präsidentin des Rotary Club Köln-Kapitol

 


 

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