Braun, Ferger, Johanns, Walter-Borjans
Frauen bessere Krisenmanager?
Köln-Bonn. Ja, behauptet die solidarische Frauenpresse. Protest aus dem männlichen Lager? Fehlanzeige. Business-on.de fragte deswegen beim "starken" Geschlecht dieser Region nach, was sie von der besseren Krisenmanagerin usw. halten. Unsere Fragen beantworten dieses Mal Uwe Braun, Geschäftsführer Host Europe GmbH, Dr. Herbert Ferger, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, Herrmann-Josef Johanns, Geschäftsführer Ströer Media Deutschland GmbH & Co. KG, und Dr. Norbert Walter-Borjans, Wirtschaftsdezernent der Stadt Köln.
Die Host Europe GmbH, drittgrößter Hosting-Anbieter im deutschsprachigen Raum mit Sitz in Köln, beschäftigt 160 Mitarbeiter. Das mittelständische Unternehmen hat dieses Jahr eine Kindertagesstätte eingerichtet. Junge Familien werden außerdem mit flexiblen Arbeitszeitmodellen unterstützt. Der jährlich veranstaltete "Girls Day" informiert über Berufsbilder mit Sexappeal. Für Uwe Braun, 35, einer der vier Geschäftsführer der Host Europe, ist wichtig, dass Frauen die gleichen Chancen im Beruf haben. Er verwehrt sich allerdings gegen die teilweise pauschale Aburteilung des männlichen Geschlechts.
Die Ströer Gruppe, Spezialist für alle Werbeformen, die außer Haus zum Einsatz kommen, beschäftigt in der Konzernzentrale in Köln 419 Mitarbeiter, insgesamt 1.500. In der Zentrale beträgt der Anteil der Frauen mehr als 50 Prozent. Der Vorstand ist homogen männlich, in den Führungsebenen darunter gibt es 43 Managerinnen. Der Marktführer von "out of home media" wirbt mit einer familienfreundlichen Kultur um neue Mitarbeiter. Beispielhaft ist die Kindertagesstätte „Ströers Strolche“ in Köln. Sie bietet Mitarbeitern die Möglichkeit, ihre Kinder bis zum Übergang in den Regelkindergarten in unmittelbarer Nähe ihres Arbeitsplatzes zu betreuen. Auf einer Fläche von insgesamt 300 m² wird dem Ströer Nachwuchs drinnen wie draußen viel Platz zum Spielen und Toben geboten.
In der IHK Köln sind inzwischen mehr Frauen als Männer angestellt. Gefühltermaßen existiert ein Proporz von 60:40, verrät ein Mitarbeiter. In der Führungsebene unter Hauptgeschäftsführer Herbert Ferger, 60, haben vier Damen das Sagen, u.a. unsere Powerfrau Elisabeth Slapio, Geschäftsführerin Handel, Tourismus, Informations- und Kommunikationstechnik. Immerhin sind damit auf der obersten Hierarchieebene 36 Prozent in weiblicher Hand. Verglichen mit der Privatwirtschaft kann sich nicht nur die IHK sondern auch der Rat und die Verwaltung der Stadt Köln mit beachtlichen Frauenquoten sehen lassen. Neben OB Fritz Schramma und Bürgermeister Manfred Wolf wird Köln von zwei Bürgermeisterinnen, Elfi Scho-Antwerpes und Angela Spizig, repräsentiert. In der Stadtverwaltung sind neben fünf männlichen Kollegen zwei Dezernentinnen, Dr. Agnes Klein und Marlis Bredehorst, tätig. Die Frauenquote der in der Verwaltung Beschäftigten beträgt über 60 Prozent. Allerdings verdienen die Stadt-Frauen summa summarum 32 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Schuld sei unter anderem laut Gleichstellungsbeauftragter der Stadt Köln, dass auf den besser honorierten Amts- und Abteilungsleiter-Stellen weibliche Angestellte unterrepräsentiert sind. Das verhält sich in der privaten Wirtschaft nicht viel anders. Norbert Walter-Borjans, 57, sieht zwar Handlungsbedarf für die Verwaltung, lehnt aber überzeichnete Berichterstattungen in den Medien ab.
business-on.de: In welchen Unternehmensbereichen könnten Sie sich, Herr Walter-Borjans, vorstellen, dass "Frau" einen besseren "Job" als Mann macht?
Norbert Walter-Borjans: Ich tue mich etwas schwer damit, Unternehmensbereiche nach Geschlechtern zu sortieren. Ich kenne in vielen dieser Bereiche starke und schwache Männer, aber auch starke und schwache Frauen. Ich hatte als Staatssekretär im Saarland eine starke Frau als Wirtschafts- und Finanzministerin. War die stark, weil sie Frau war, oder war sie einfach stark? Beim Marketing habe ich noch am ehesten das Gefühl, dass Frauen dadurch auffallen, dass sie mehr vom Adressaten, vom Kunden her denken. Und im Controlling habe ich sie bisher oft als kompromissloser erlebt. Da sind es eher die Männer, die immer nochmal nachsehen wollen, ob es nicht noch eine Hintertür gibt.
business-on.de: Und wer macht den besseren Krisenjob?
Uwe Braun: Ich denke, wer den besseren Krisenmanager macht, das ist nicht wirklich geschlechtsabhängig, sondern hängt viel mehr von bestimmten Charaktereigenschaften einer Führungskraft zusammen. Ein Beispiel hierbei ist sicherlich die Verarbeitung von Stress. Eine weitere wichtige Dimension für den "erfolgreichen Krisenmanager" ist meiner Meinung zudem bereits gesammelte Erfahrung mit dem Umgang von Krisen.
Hermann-Josef Johanns: Ob eine Person einen guten Krisenjob macht, hängt nicht vom Geschlecht ab, sondern von der jeweiligen Qualifikation, der emotionalen Intelligenz und der sozialen Kompetenz
business-on.de: Glauben Sie Herr Ferger, dass Frauen einen gleich guten Krisenjob machen können wie ihre männlichen Kollegen?
Herbert Ferger: Ja. In allen Unternehmensbereichen können Frauen ebenso wie Männer bei entsprechender Qualifikation einen guten Krisenjob machen.
business-on.de: Die überwiegende Zahl der berufstätigen Frauen arbeitet laut Statistik in krisensicheren Branchen wie Erziehung, Pflege, Krankenhaus. Das hat zur Folge, dass in konjunkturschwachen Zeiten mehr Männer als Frauen vom Jobverlust betroffen sind und die Frauen die Rolle des Familienernährers übernehmen. Was denken Sie über einen Wandel der Rollenbilder?
Herbert Ferger: Wenn der Wandel dahin geht, dass künftig noch mehr Frauen ihr Können und Wissen im Berufsleben einbringen und sich öfter mutig bereit erklären, auf Grundlage hoher fachlicher Qualifikation Führungspositionen zu übernehmen und auszufüllen, dann würde ich diesen Wandel begrüßen.
Uwe Braun: Die Frau ist bis heute traditionell eher mit der Fürsorge für die Familie verknüpft als der Mann. Das liegt aber auch in erster Linie daran, dass die Frau aus biologischen Gründen eine stärkere Bindung zu den Kindern hat als der Mann. Selbst eine Frau, die alleiniger Familienernährer ist, muss sich zumindest einige Wochen vor der Geburt und einige Wochen nach der Geburt eine Auszeit nehmen – aus rein medizinischen Gründen. Wenn eine Frau darüber hinaus noch stillen möchte, bleibt ihr in den meisten Fällen nichts anderes übrig, als diese medizinisch notwendige Auszeit weiter auszudehnen. Schon aus diesem Grunde ist eine einfache Verkehrung des bestehenden Rollenbildes nicht sehr wahrscheinlich. Dass der Mann sich zukünftig in der Rolle des Hausmannes wiederfinden wird, während die Frau die Familie ernährt, halte ich daher nicht für wahrscheinlich. Eher glaube ich, dass die Berufstätigkeit von Mann und Frau zur Regel werden wird – sofern es genügend Betreuungsangebote für Kinder jeden Alters gibt.
Norbert Walter-Borjans: Ist das wirklich so? Karstadt und Hertie dürften da eine andere Sprache sprechen. Die Beobachtung - wenn sie denn zutrifft, dass die Männerjobs konjunkturanfälliger sind, korrespondiert ja vermutlich auch damit, dass deren Beschäftigung in guten Zeiten auch schneller steigt. Es kann auch sein, dass der nach wie vor anhaltende Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft seinen Teil dazu beiträgt. Einbrüche in der Produktion kosten immer noch mehr Männer den Job. Wie auch immer - dass eine stärkere Frauenerwerbstätigkeitsquote verbunden mit beruflichem Aufstieg von Frauen zu einem Wandel der Rollenbilder führt, glaube und hoffe ich.
Hermann-Josef Johanns: Ich glaube nicht, dass sich die noch weit verbreiteten Rollenbilder deshalb ändern, weil Frauen in krisensicheren Jobs bessere Karten haben. Statistisch gesehen arbeiten ja immer noch weniger Frauen als Männer, ob krisensicher oder nicht, weil ein Teil der Frauen sich in den krisensichersten Job überhaupt – die Elternzeit – verabschiedet hat, aus dem sie dann oftmals nur in Teilzeit zurückkehren. Der arbeitende Frauenanteil kann das Rollenbild wohl kaum nachhaltig beeinflussen.
business-on.de: Das Thema "Frauen sind die besseren Krisenmanager" ging durch den einschlägigen Blätter- und Blogger-Wald. Geht Ihnen dieser mediale Frauen-Hype nicht allmählich auf die Nerven?
Hermann-Josef Johanns: Nein, wieso denn? Solange von 10.000 Vorständen bundesweit nur 300 weiblich sind, ist es wohl ein Thema, das nicht genug auf die Agenda gebracht werden kann. Mich stört vielmehr, dass über dieses Thema in diesem Land überhaupt diskutiert werden muss. In anderen Teilen Europas, wie in Frankreich oder Skandinavien stellt sich diese Frage gar nicht, wer denn nun besser seinen Job bewältigt. Frauen sind da ganz selbstverständlich ins Berufsleben integriert und müssen ganz andere Probleme lösen, als die Frage, ob sie die besseren Krisenmanagerinnen sind.
Uwe Braun: Man muss in jedem Falle Verständnis dafür haben, dass Frauen das Bedürfnis haben, sich beruflich zu etablieren und die Stärken der Frauen herauszustellen, nachdem in vielen Kulturen jahrhundertelang mehr von den Schwächen der Frauen als von ihren Stärken die Rede war. Solange Studien, Artikel, Untersuchungen wissenschaftlich fundiert sind und Hand und Fuß haben, lese ich sie gerne und versuche ggf. daraus zu lernen.
Norbert Walter-Borjans: Eigentlich müsste ich - siehe Antwort zur ersten Frage - jetzt klar "ja!" sagen. Ich glaube aber, dass "Hypes" deshalb entstehen, weil es Diskussions- und Veränderungsbedarf gibt. Insofern sehe ich das als - gelegentlich überzeichneten - Beitrag zu einer gesellschaftlich wichtigen Fragestellung.
(Karin Bäck)
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