Studie
Tu’ Gutes und sprich nicht darüber
Stuttgart. Familienunternehmen sehen sich in der gesellschaftlichen Verantwortung und gehen sie aktiv an. In der Kommunikation ihres Engagements sind sie jedoch eher zurückhaltend. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Prof. Dr. Henry Schäfer vom Betriebswirtschaftlichen Institut der Universität Stuttgart im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen und der Bertelsmann Stiftung.
Das gesellschaftliche Engagement von großen Publikumsgesellschaften ist unter dem Schlagwort ‚Corporate Social Responsibility’ in der öffentlichen Diskussion mittlerweile gut präsent. Dagegen sind die Initiativen von Familienunternehmen in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Forschung unterbelichtet. In Anbetracht der hohen Bedeutung der deutschen Familiengesellschaften für Wirtschaft, Arbeitsplätze und Innovation liegt die Vermutung nahe, dass Eigentümer dieser Gesellschaften auch ganz spezifische Vorstellungen von Unternehmensverantwortung haben und diese auch leben. Vor diesem Hintergrund untersuchten die Stuttgarter Wissenschaftler das Ausmaß, die Strukturen und die Motive des in Deutschland gelebten gesellschaftlichen Engagements von Familienunternehmen.
Demnach geben rund 95 Prozent der Familienunternehmer die eigenen Überzeugungen als Hauptantriebsfeder an, gefolgt von ethischen Aspekten (82 Prozent), dem Ziel, die Mitarbeiter zu motivieren oder die Arbeitsatmosphäre zu verbessern. Bemerkenswert ist die Nennung persönlich prägender Erlebnisse des Unternehmers selbst als Anstoß zu Initiativen und Aktivitäten. Hier besteht ein deutlicher Unterschied zu der Ausrichtung multinationaler Publikumsgesellschaften, deren Aktivitäten sich häufig an den Forderungen des Kapitalmarkts orientieren: für das gesellschaftliche Engagement von Familienunternehmen spielen finanzielle Größen wie Kosten oder Erlöse mit nur 23 Prozent der Nennungen eine untergeordnete Rolle.
Familienunternehmer engagieren sich häufig dort, wo die staatlichen Kapazitäten erschöpft sind oder bei Themen, die bisher nicht ausreichend in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. "Typisch ist, dass gesellschaftliches Engagement aus dem direkten Umfeld der Unternehmer geboren wird", betont der Leiter der Studie, Prof. Henry Schäfer. Obwohl viele Unternehmen international tätig sind, sind ihre Aktivitäten primär regional und national ausgerichtet. Dabei reicht die Vielfalt der Maßnahmen von der Förderung eines Technikmuseums über die Einrichtung eines Betriebskindergartens bis hin zum Neubau eines Gemeindehauses in der Stadt. Der Fokus liegt auf den Mitarbeitern und Beschäftigten, gefolgt von den Kunden und Lieferanten sowie dem Engagement für die Umwelt.
Verkannte Bildungsförderer
Überrascht zeigte sich Schäfer über die herausragende Bedeutung des Bildungssektors, für den 84,7 Prozent votierten. Konkret gefördert werden Kooperationen mit Schulen, Universitäten und Museen sowie Aus- und Weiterbildungsangebote für Mitarbeiter. An zweiter Stelle rangieren soziale Leistungen (55,5 Prozent), gefolgt vom Umweltbereich (49,5 Prozent) und dem Tätigkeitsfeld "Gesundheit" (37,3 Prozent).
Rund eine halbe Million Euro ist den untersuchten Familienunternehmen ihr gesellschaftliches Engagement im Mittel wert. Die Hälfte der Befragten wird dies sogar noch ausweiten. Dabei sind die Aktivitäten und ihre Umsetzung den meisten Unternehmen (rund 70 Prozent) wichtiger als die Kommunikation darüber. Der Einsatz von Dokumentationen sowie Umwelt-, Sozial- und Nachhaltigkeitsberichte (37,6 Prozent) wird am ehesten von Familienunternehmen genutzt, deutlich seltener setzt man auf Veranstaltungen oder das Internet. "Dieses Ungleichgewicht zwischen Aktivität und Vermarktung spiegelt die fast schon sprichwörtliche Zurückhaltung vieler Familienunternehmer wider", so Schäfer.
(Redaktion)
Tags:- Prof. Dr. Henry Schäfer
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