Pay-TV
EuGH bremst Sky aus
Köln-Bonn. Langsam können sie einem schon Leid tun im Hause Sky. Schon der Vorgänger des Bezahlsenders machte als Premiere dauernde Verluste. Neuer Name – alte Probleme, denn auch Sky ist vom segensreichen Break-Even-Point so weit entfernt wie die Geißböcke von der Champions League.
Karen Murphy betreibt in England einen Pub und möchte ihren Gästen auch Pay-TV aus dem Ausland zeigen
Und dann kreuzt auch noch Karen Murphy den Weg von Sky. Die betreibt in England einen Pub und möchte ihren Gästen auch Pay-TV aus dem Ausland zeigen. Was durch nationale Vorschriften bisher untersagt war.
Dagegen hat nun der Europäische Gerichtshof anders entschieden. Auf Klage von Murphy hin erklärte der EuGH die bisherige Praxis für rechtswidrig. Daraufhin schossen die Sky-Aktien eben nicht in den Himmel, sondern abwärts, auf einen Wert von nur noch 1,55 Euro.
Murphy wolle in erster Linie billigeres Bezahlfernsehen. Das bekam sie aus Griechenland, Nova heißt der Sender aus Südeuropa, der natürlich in griechischer Sprache in die Haushalte kommt. Die pfiffige Wirtin drehte den Ton kurzerhand ab und unterlegte die Fernsehbilder mit der BBC-Radioreportage. (Im Übrigen eine gute Empfehlung auch für hiesige Sportübertragungen, sollte der TV-Kommentator nicht ihr Fall sein!)
David gegen Goliath
Für das Gericht geht es um den freien Dienstleistungsverkehr sowie das Wettbewerbsrecht der EU. Für die mutige Wirtin, die sich in den Kampf David gegen Goliath gestürzt hat, um immerhin 8000 Pfund Strafe, die sie berappen sollte. Schon ihre Bemerkung in einem Interview mit der BBC war nicht von der Hand zu weisen: „Wenn ich ein Auto kaufen möchte, darf ich das Modell wählen, das mir gefällt, bei Fußballübertragungen dürfe man das anscheinend nicht. Das ist falsch, das macht mich wütend, und dagegen kämpfe ich.“
Börsenexperten sahen für Sky Licht am Ende des Tunnels, in maximal drei Jahren hätte das Unternehmen durchaus schwarze Zahlen schreiben können. Dies scheint nach dem Richterspruch aus Luxemburg nunmehr ausgeschlossen.
Zwei Optionen bieten sich dem glücklos operierenden Bezahlsender. Erwirbt Sky die Rechte an der Fußballbundesliga exklusiv, bleibt alles beim Alten. Sollten die Bundesligarechte allerdings internatonal verkauft werden, bekommt Sky natürlich mehr Konkurrenz. Und Abonnenten könnten es machen wie Karen Murphy – ein anderes Abo wählen und den Radioton laufen lassen.
(FN)
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