Gesundheitskosten
Stressmanagement — "nice to have" oder
wirtschaftliche Notwendigkeit?
Köln-Bonn. Klar, es sind die harten Fakten, die zählen. Umsatz- und Gewinnsteigerung, Kundengewinnung, Produktivitätssteigerung usw. Wer das nicht akzeptiert, hat Pech gehabt. So denken in Deutschland immer noch viele. Nun stellt sich allerdings mehr und mehr die Frage, ob es wirklich nur der einzelne Betroffene ist, der „Pech gehabt“ hat. Wohl eher nicht. Schließlich gehören auch die Gesundheitskosten zu den „hard facts“.
Markus Frey ist Coach und Trainer und als solcher Stress-Experte und Fachmann für Burnout-Prävention. Bekannt geworden ist er insbesondere durch sein Hörbuch "Mit Stress zur Spitzenleistung" und als Autor vieler Fachartikel über den effektiven und gesunden Umgang mit Belastungen unterschiedlicher Art.
Und das nicht nur für unsere Gesellschaft als Ganzes, für die Politik und diejenigen, die im Gesundheitswesen tätig sind. Auch für Unternehmen jeder Größe ist die Gesundheit der Mitarbeiter eine entscheidende Erfolgsgröße.
Stress als Kostenfaktor
Einer der größten Kostenfaktoren für die Unternehmen sind stressbedingte Krankheiten und der damit verbundene Produktivitätsverlust. Das betriebswirtschaftliche Institut der Fachhochschule Köln bezifferte diese Kosten 2006 alleine für Deutschland auf etwa 80 bis 100 Milliarden Euro, womit sie sich im Rahmen anderer Berechnungen, z.B. von der Weltgesundheitsorganisation WHO bewegte.
Frühwarnsysteme werden nicht ernst genug genommen
Leider nehmen viele Menschen ihre persönlichen Frühwarnsysteme nicht ausreichend wahr bzw. ernst, wie viele Daten zur Volksgesundheit Jahr für Jahr zeigen. Ähnliches gilt für die Wirtschaft. Wie immer gilt es zwar nicht für alle. Manche Firmen engagieren sich sogar recht stark und heimsen da und dort dafür auch (zu Recht!) öffentliche Anerken-nung ein und manchmal sogar Preise ein. Allzu viele handeln allerdings immer noch nach der Devise des „Ich sehe nichts, ich höre nichts, ich sage nichts!“
Bei LKW-Fahrern wird ein Teilbereich des Lebensstils, die Einhaltung von Ruhepausen überwacht. Bei den meisten anderen Berufsgruppen tun wir das nicht. Hier soll ganz bestimmt nicht einer Gesundheitskontrolle das Wort geredet werden. Und trotzdem sei die Frage erlaubt: wer übernimmt die Verantwortung für die Arbeit von übermüdeten Assistenzärzten, von Statikern, die mit einer möglichst hohen Anzahl an Überprüfungen zum Firmenergebnis beitragen müssen, gestressten Managern, die in schwer angeschlagenem physischen und psychischem Zustand Entscheidungen treffen müssen, die Folgen für Tausende haben?
Gesundheitsprävention wirkt – Harte Fakten
Gesundheitsprävention wirkt, wenn auch durchaus unterschiedlich. Dies hat z.B. eine Studie nachgewiesen, die in 2006 vom Europressedienst in Zusammenarbeit mit der Eu-ropean Business School veröffentlicht wurde und an der sich 200 Unternehmen (incl. 22 Dax-30-Unternehmen) beteiligt haben. Diese sollten in der Untersuchung auch einen Return on Investment (ROI) ihrer Maßnahmen zur Gesundheitsprävention beziffern. Im Durchschnitt kamen sie auf ein Resultat von rund 1:5. Mit anderen Worten: für jeden eingesetzten Euro fließen 5 Euro wieder zurück ins Unternehmen! Als besonders wirksam wurden insbesondere Schulungsmaßnahmen für Führungskräfte bewertet.
Fazit
Stress am Arbeitsplatz kostet die deutsche Wirtschaft jedes Jahr viele Milliarden. Doch weder für den Einzelnen noch für ein Unternehmen ist dies nur schicksalhaft. Es gibt mittlerweile eine ganze Palette an Möglichkeiten, sich gegen Stress und seine gesundheitlichen Folgen zu wappnen. Möglichkeiten, die sowohl ihre medizinische wie auch ihre wirtschaftliche Relevanz nachgewiesen haben. Maßnahmen zur Gesund-heitsprävention im Allgemeinen und zur Stressprävention im Speziellen rechnen sich also nicht „nur“ für den einzelnen Mitarbeiter sondern auch für das Unternehmen.
(Markus Frey)
Tags:- Stressmanagement
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