Proteste
Tausende Studenten und Schüler protestieren für Bildungsreformen
Köln/Düsseldorf . (ddp-nrw). Tausende Schüler und Studenten haben am Dienstag in zahlreichen NRW-Städten für Veränderungen im Bildungssystem demonstriert. Wie eine Sprecherin des Organisationskomitees «Bundesweiter Bildungsstreik» auf ddp-Anfrage mitteilte, nahmen an Protestaktionen in Aachen, Bochum, Bonn, Bielefeld, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Köln, Münster, Paderborn und Wuppertal etwa 20 000 Studenten und Schüler teil.
Bundesweit gingen demnach 80 000 Menschen für Reformen im Bildungssystem auf die Straße. Die Proteste lösten bei Landespolitikern Lob und Kritik aus.
Die jungen Leute fordern «selbstbestimmtes Lernen und Leben» statt eines starren Zeitrahmens und des Leistungs- und Konkurrenzdrucks, wie Jörg Rostek vom Organisationskomitee mitteilte. Die Studenten lehnten erneut Studiengebühren ab. Bildung müsse mit öffentlichen Mitteln finanziert werden. Eine «Einflussnahme der Wirtschaft» dürfe es nicht geben.
Allein in Köln zählten die Organisatoren bis zu 5000 Teilnehmer. «Die Bildung ist seit Jahren im Notstand», sagte der Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Universität zu Köln, Christian Poell. Studiengebühren, die zu einer sozialen Selektion führten, katastrophale Studienbedingungen, ungenügende Studienplätze sowie marode Hochschulen seien nur einige der Gründe für die Proteste.
Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sagte in Düsseldorf: «Ich begrüße es, wenn sich Studierende konstruktiv in den Reformprozess einbringen.» Pinkwart stellte jedoch in Frage, ob es den Demonstranten tatsächlich in erster Linie um die Sache gehe und ob sie die Meinung der rund 490 000 Studenten in Nordrhein-Westfalen repräsentieren.
Darauf reagierten die Grünen mit scharfer Kritik. «Es ist beschämend, wie Herr Pinkwart versucht, die berechtigten Proteste von Tausenden von Studierenden als Minderheitenposition und Einzelmeinung darzustellen», sagte die Grünen-Landtagsabgeordnete Ruth Seidl. Die Reaktion zeige, «dass der Minister jedes Gefühl dafür verloren hat, was an unseren Hochschulen los ist».
«Durch die im Bildungsstreik vertretenen Forderungen würden die Perspektiven der jungen Generation beschädigt, denn mit einem gänzlich leistungslosen und von der Arbeitswelt abgekoppelten Bildungssystem verteidigen wir unseren Wohlstand nicht», sagte NRW-FDP-Generalsekretär Christian Lindner. Den linken und ganz linken Initiatoren gehe es gar nicht um eine pragmatische Diskussion.
Der SPD-Hochschulexperte Karl Schultheis sagte hingegen, der Landtag müsse die «berechtigte Kritik der Studentinnen und Studenten» aufgreifen: «Weg mit den Studiengebühren, weg mit dem Murks bei der Bachelor/Master-Umstellung an den Hochschulen, gute Studienbedingungen statt überfüllte Hörsäle und Seminare». Daher habe die SPD-Landtagsfraktion eine Sondersitzung des Wissenschaftsausschusses beantragt, um über die Lage an den Hochschulen zu reden.
Solidarisch erklärten sich die Gewerkschaften mit den Demonstranten. «Die Studierenden haben allen Grund, sich gegen schlechte Studienbedingungen zu wehren. Das Bildungssystem ist chronisch unterfinanziert», teilten DGB-Landeschef Guntram Schneider und Antonia Kühn von der DGB-Jugend mit. Veränderungen wie etwa das schwarz-gelbe Hochschulfreiheitsgesetz hätten «nicht dazu geführt, dass die Bedingungen verbessert wurden».
(Quellen: Studentenvertreter auf Anfrage und in Mitteilungen; Pinkwart, Seidl, Schultheis, DGB und Lindner in Mitteilungen)
Von Sabine Meuter und Martin Teigeler
(Redaktion)
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