Uta Brandes
Design auf dem Prüfstand
Köln. Ihr Markenzeichen: hellrote Haare, runde Brille, kleine Statur, Energiebündel. Sie ist eine, die gern gegen den Mainstream schwimmt. Ihr Hobby, Gender und Design, hat sie zum Beruf gemacht. Sie setzt sich vehement für die Chancengleichheit von Frauen im Design ein. Mit ihrem eigenen Leben ist sie rundum zufrieden. business-on.de sprach mit Prof. Dr. phil. Uta Brandes.
Uta Brandes hat seit 1995 eine Professur für Gender und Design an der Köln International School of Design (KISD) inne. 1983 promovierte sie in Hannover mit dem Thema „Phantasien und Sehnsüchte von Arbeiterinnen“. Ein bisschen typisch für sie ist, dass ihr Doktorvater von den Promotionsabsichten erst erfuhr, als das Werk schon fertig geschrieben war. Wie gesagt, es hat trotzdem oder gerade deswegen auf Anhieb geklappt. Zeitgleich wurde sie stellvertretende Direktorin des Forschungsinstituts „Frau und Gesellschaft“ in Hannover. Als Forschungsstipendiatin absolviert sie Hochschulen in Washington D.C., Chicago, New York und St. Paul/Minneapolis. Später arbeitet sie als freie Autorin insbesondere im Bereich Kultur und Gender. 1992 wurde sie Leiterin des „Forums“ der Kunst- und Ausstellungshalle der BRD in Bonn. Seit 1997 hält die Rastlose auch Vorlesungen an der Musashino Universität in Tokio und an der Hongkong Polytechnic University. Uta Brandes lebt seit Anfang der 80er Jahre mit Professor Dr. Michael Erlhoff, Gründer der KISD, zusammen.
business-on.de: Frau Brandes, die meisten können mit “gender” nicht so richtig etwas anfangen. Was verbinden Sie mit diesem Begriff?
Gender - das soziale und kulturelle Geschlecht
Brandes: Der englische Genderbegriff kommt aus der Frauenforschung. Er verweist auf das soziale und kulturelle Geschlecht der Menschen, wogegen das englische Wort „Sex“ das biologische Geschlecht bezeichnet. Die amerikanische Soziologin Judith Butler hat das so erklärt: Wir „sind“ kein Geschlecht, sondern stellen es täglich aktiv her -„doing gender“. Banales Beispiel: Wir treffen Frau mit Kinderwagen, gucken rein, und als erstes kommt die Frage: Wie süß, was ist es denn, Junge oder Mädchen? Erst wenn wir das Geschlecht zugeordnet haben, können wir „normal“ kommunizieren, sonst fühlen wir uns unsicher. Das sind die Prozesse, an denen ich interessiert bin.
business-on.de: Und was hat gender mit Design zu tun?
Geschlechtsspezifischer Umgang mit Design
Brandes: Viel, wir haben den ganzen Tag mit Produkten, Zeichen, Visuellem zu tun. Jedes Ding ist gestaltet. Unabhängig davon, ob gut oder schlecht, billig oder teuer. Dabei ist total interessant, wie die Geschlechter mit diesen Produkten umgehen, sowohl in der Vorliebe, oder was sie wichtig, angenehm oder schön finden.
business-on.de: Was ist denn so typisch für geschlechterspezifisches Verhalten?
Brandes: Männer sind immer noch deutlich statusorientierter. Also so ein Auto oder Motorrad ist schon wichtig, vor allem, wenn es ein besonders großes ist. Frauen sind in vielen Dingen pragmatischer, teilweise aber auch nerviger beim Hinterfragen. Ich mache beispielsweise mit Studierenden der KISD häufig Beobachtungsstudien in Supermärkten. Dabei interessiert uns, wie der Zugriff auf Produkte ist, suchend oder zielsicher. Die Ergebnisse zeigen: Bei Alltagssachen wie Waschpulver packt Frau blind hin, nimmt auch gerne No-Name-Produkte. Mann greift lieber nach Persil nach dem Motto: Mutti hat es auch schon genommen. Bei Sachen, die Spaß machen, da probieren Frauen viel mehr aus, schnuppern hier und dort, gehen auch gern mal in die Männerabteilung einer Parfümerie.
business-on.de: …. Wahrscheinlich gibt es ja immer noch viele Klischees, was das Verhalten von Mann oder Frau betrifft?
Brandes: Ja, Frau wird mit klein, rund, kuschelig oder weich assoziiert. Der Mann dagegen ist groß, dirigiert und baut Hochhäuser. Frauen kümmern sich um den Innenraum, ihnen wird das Dekorieren zugemutet. Problem ist, dass damit eine Bewertung bzw. eine Hierarchie verbunden ist. Was Frauen machen, wird nicht als so wichtig empfunden. Alles, was Männer machen, ist groß, repräsentativ, wird besser bezahlt und mehr anerkannt. Das hat sich immer noch nicht wesentlich verändert. Auch junge, progressive Männer fallen später in der Beziehung oder in der Familie gern wieder zurück in tradierte Verhaltensmuster.
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Bild Nr. 1 © Prof. Dr. phil. Uta Brandes, Köln International School of Design

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