Wagniskapital
Venture Capital: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt
Köln. Spricht man von Finanzierungsmöglichkeiten in Form von vollhaftendem Eigenkapital, ist meist vom Venture Capital die Rede. Der Trend der vergangenen Jahre zeigt, dass analog zum Anstieg der IPO`s (Initial Public Offering) an den Kapitalmärkten, Eigenkapitalfinanzierungen als Geldquelle für junge Unternehmen eine immer bedeutendere Rolle einnimmt. Das Venture Capital oder auch Wagniskapital genannt, stellt eine weitere entscheidende Alternative zur bankgestützten Fremdfinanzierung dar...
Gerade die Gründungsphase stellt für Jungunternehmer auf dem Weg in die Selbstständigkeit und der oftmals mühsamen Marktetablierung eine Herausforderung dar, der sich viele Start-Ups meist völlig alleine gegenüber gestellt sehen. Insbesondere Probleme bei der Finanzierung werden von Jungunternehmen hierbei oft an erster Stelle genannt; gerade in den frühen Phasen der Gründung ist der Finanzierungsbedarf sehr hoch – andererseits das Fremdkapital, aufgrund mangelnder Sicherheiten für Kreditgeber, viel zu gering. Kapitalengpässe führen nicht selten zum Scheitern selbst erfolgversprechender Geschäftsideen. Als Finanzierungsalternative bietet sich hier die Aufstockung des Eigenkapitals in Form einer Beteiligungsfinanzierung durch das sogenannte „Venture Capital“ an.
Venture Capital – oftmals im Zusammenhang mit dem Oberbegriff „Private Equity“ verwendet – wurde im Deutschen häufig mit Risiko-Kapital übersetzt. Um dieser Finanzierungsform jedoch den negativen Beigeschmack von unsicheren Spekulationsgeschäften zu nehmen, tendiert man heute mehr und mehr zu den Begriffen „Wagnis – oder besser: Chancenkapital“.
Diese Art der Beteiligungsfinanzierung erfreut sich in Deutschland zunehmender Beliebtheit: Nach einem Rekordjahr in 2006, in welchem europäische Beteiligungsfirmen mit 112 Milliarden Euro mehr als doppelt soviel Geld einsammelten wie noch in 2005 (60 Mrd. EUR). Und die in Deutschland aktiven Beteiligungsgesellschaften haben im Jahr 2007 mit 4,1 Milliarden Euro rund 13 Prozent mehr investiert als im Jahr zuvor. Zwar sind hierbei die Venture Capital Investitionen leicht zurück gegangen, jedoch steht diesem Volumenrückgang allerdings eine deutlich gestiegene Zahl der mit Venture Capital finanzierten Unternehmen gegenüber. Innerhalb des gesamtes Venture Capital-Bereiches verzeichneten die Frühphaseninvestitionen erfreuliche Zugewinne. Deren Volumen kletterte von 264 Mio. auf 349 Mio. und deren Anzahl von 337 auf 467. Nicht grundlos, denn das Venture Capital wartet mit einer Vielzahl von Vorzügen für das junge Unternehmen auf:
Das besondere an dieser Finanzierungsform ist die Kombination einer temporären Beteiligung von VC-Investoren an Firmenanteilen junger wachstumsstarker Unternehmen, sowie einer strategischen und operativen Unterstützung des Managements während des Beteiligungszeitraums. Der Kapitalgeber von Risikokapital investiert direkt in das Eigenkapital des Unternehmens, bleibt aber meist mit einem Anteil unter 50 Prozent Minderheitsgesellschafter. Die Höhe des bereitgestellten Venture Capitals ist abhängig von den Bedürfnissen des Unternehmens und zum anderen vom Angebot des Investors bzw. der Beteiligungsgesellschaft selbst, beginnt aber bereits bei 10.000 Euro.
Man unterscheidet zwischen zwei Beteilungsformen: die Investoren können sich direkt oder indirekt an einem Unternehmen einbeziehen. Der Kapitalgeber ist daher nicht immer mit dem Anbieter des Kapitals gleichzusetzen. Bei einer direkten Beteiligung investiert der Kapitalgeber selbst, wohingegen bei einer indirekten Beteiligung der Investor sein Kapital einer Venture Capital-Gesellschaft zur Verfügung stellt, die wiederum in Unternehmen investiert.
Bei den meisten Definitionen zum Wagniskapital liegt die Betonung oft mehr auf der Partnerschaft zwischen Venture Capitalist (VC) und Unternehmenseigner als auf monetären Komponenten.
In der Tat stellt der Kapitalgeber neben der finanziellen Unterstützung auch sein Wissen sowie seine Kontakte zur Verfügung und greift teilweise aktiv in die unternehmerischen Tätigkeiten ein. Der Gründer hat somit einen erfahrenen Helfer an seiner Seite und der Venture Capitalist fördert das Wachstum des Unternehmenswertes aktiv. Im Gegenzug profitiert der VC vom wachsenden Wert des Unternehmens: die angestrebten, durchschnittlich zu erzielenden Rendite liegen mit 15 bis 25 Prozent jährlich überdurchschnittlich hoch. Der wirtschaftliche Ertrag ergibt sich jedoch nicht aus laufenden Zahlungen, wie beispielsweise Zinsen, sondern werden am Ende der Investitionsphase durch den Exit realisiert.
Der Rückzug des Kapitalgebers aus dem Unternehmen wird in der Regel nach zwei bis fünf Jahren angestrebt. Hierfür kann der VC seine Anteile an der Börse verkaufen (Initial Public Offering), an andere Unternehmen der selben Branche (Trade Sale), an Venture-Capital-Gesellschaften (Secondary Sale) oder er bietet sie dem Unternehmenseigner zum Rückkauf an (Company Buy Out). Pioniere dieses Finanzierungstrends sind die in den USA ansässigen 600 VCG, die seit den 40er Jahren erfolgreich die 17 größten Unternehmen der Welt - gemessen an der Marktkapitalisierung - wie z.B. Intel, Microsoft oder Cisco Systems bei der Finanzierung mit VC unterstützt haben.
Begriffsabgrenzung: Venture Capital heißt nicht gleich Private Equity
Fälschlicherweise werden die beiden Ausdrücke Venture Capital und Private Equity oft als Synonyme gebraucht. Zwar organisiert sich das Venture Capital ebenfalls abseits des (börsennotierten) geregelten Kapitalmarkts, jedoch liegt der Unterschied in der Festlegung als Eigenkapitalfinanzierung junger Hightech Unternehmen in der Frühphase (Early Stage). Venture Capital investiert hauptsächlich in Startups; nur eher selten profitieren schon länger bestehende Unternehmen von dieser Finanzierungsmöglichkeit („Venture“ zu deutsch: „Wagnis“, „Projekt“, „Vorhaben“). Einerseits werden die Begriffe als Bezeichnungen für verschiedene Formen der Eigenkapitalbeteiligung verstanden und damit auf eine Stufe gestellt. Andererseits wird Venture Capital als Teilmenge von Private Equity verstanden. Diese, in den USA verwendete, Auslegung hat sich auch im europäischen Raum durchgesetzt. Dabei stellt Private Equity den Oberbegriff für außerbörsliche Eigenkapitalbeteiligung dar, der mehrere Formen der Beteiligungsfinanzierung umfasst.
(Olbrisch Katharina)
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