21.06.2007  23:07 Uhr

Interview
Vietnam — Land des "Doi Moi"! Gespräch mit Wolfgang Haehn

Köln. „Doi Moi“ steht für Erneuerung. Sie ist politisch gewollt und beschreibt den Prozess zur Marktwirtschaft. Die Offensive hat Erfolg: Vietnam glänzt mit hohen Wachstumsraten, enormen Exportsteigerungen und mit einer boomenden Touristikbranche. Wolfgang Haehn, Vorstandsvorsitzender der DAPG e.V., Köln, hat den wirtschaftlichen Wandel vor Ort unter die Lupe genommen.

Die DAPG, Deutsche Asia Pacific Gesellschaft, berät seit vielen Jahren Unternehmen, speziell mittelständische, die sich für neue Absatzmärkte und/oder Investitionsmöglichkeiten in den asiatischen Schwellenländern interessieren. Ein gutes Netzwerk, gezielte Kontakte vor Ort und wirtschaftliche Kompetenz zeichnet die Experten aus. Ihr Know how stellen sie ehrenamtlich dem Verein zur Verfügung. So auch der Vortstandsvorsitzende Wolfgang Haehn. Neben seiner Tätigkeit für die DAPG gilt er als Spezialist für Technisches Marketing bei der Krone Marketing in Köln-Weiden. Wolfgang Haehn war vor kurzem in Vietnam, um sich selbst ein Bild des „Doi Moi“ zu machen. Drei Wochen bereiste er das Land von Hanoi bis Saigon, der heutigen Hochiminh-Stadt. Ziel war, bestehende Kontakte aufzufrischen und neue mitzubringen. business-on.de sprach mit ihm über seine Eindrücke.

business-on.de: Vietnam ist ein kommunistisch regiertes Land, geprägt von der Ho-Chi-Minh-Ära. Wie stellt sich der Spagat zur Marktwirtschaft dar?

Wolfgang Haehn: Ho Chi Minh, der 1969 starb, wird heute noch wie ein Heiliger verehrt. Daran sollte man auch nicht rütteln, wenn man geschäftlich etwas in Vietnam unternehmen will. Die kommunistische Partei scheint so zu funktionieren, wie wir das aus Russland oder der ehemaligen DDR kennen. Aber die Leute, die wir getroffen haben, sind unabhängig vom Regime offen und zufrieden. Auch als wir durch das Land gereist sind, d.h. zwischen Hanoi und Saigon, hatten wir nicht den Eindruck, dass irgend jemand daran gehindert wird, seinen persönlichen, wirtschaftlichen Erfolg zu gestalten. Der beste Beweis ist die Boom-Town Saigon.

Boom-Town Saigon

business-on.de: Wie macht sich der Boom in Saigon bemerkbar?

Wolfgang Haehn: Die heutige Hochiminh-Stadt ist in etwa vergleichbar mit Shanghai vor zehn Jahren. Ich bin allerdings der festen Überzeugung, dass die Stadt vielleicht schon in weniger als fünf Jahren noch moderner und noch größer sein wird. Schon heute lebt die Stadt im Baufieber, Hochhäuser entstehen, die Hotels werden erweitert, weil die Betttenkapazitäten nicht mehr ausreichen. Ein Direktor erzählte mir, er könnte momentan jedes Zimmer dreimal verkaufen. Die großen internationalen Hotelketten siedeln sich zusehends in Saigon an. Zwangsläufig gleichen sich die Übernachtungspreise den europäischen an.

business-on.de: Vietnam wird momentan als kommendes Touristikland Nr. 1 gehandelt. Was ist dran?

Tourismus stark gefördert

Wolfgang Haehn: Der Staat setzt stark auf Tourismus. Ob das Land damit alleine glücklich wird, daran glauben auch die Vietnamesen nicht. Das bringt zwar Devisen, aber auch alle Probleme, die der Tourismus weltweit immer hat: Veränderung der Kulturen und der Landschaft, höheres Müllaufkommen, die Abwasserproblematik bei einem Konglomerat von großen Hotels, etc. Der Fremdenverkehrs-Boom hat zwischenzeitlich schon viele Investoren angelockt, was die Regierung im Rahmen ihrer Beschäftigungsziele begrüßt. Bei den Vietnamesen sind es sehr begehrte Arbeitsplätze. Sie verdienen gutes Geld, lernen eine zweite Sprache und bekommen eine Ausbildung. Letzteres ist eine endlose Geduldsaufgabe, wie mir ein deutscher Hotelmanager erzählte. Der Grund sind u.a. unterschiedliche Philosophien. Beispiel: Die Westgäste möchten nicht, dass ständig ein Kellner am Tisch steht, während für Asiaten das als Wertschätzung immens wichtig ist. Der zähe Lernprozess hat dazu beigetragen, dass die Hotels doppelt so viel Personal beschäftigen wie in einem europäischen Hotel gleicher Qualität. Das ist zwar nicht so schlimm, weil die Personalkosten noch gering sind. Allerdings haben die Mitarbeiter einen Anspruch auf kostenlose Mahlzeiten, gesundheitliche Betreuung oder Unterkünfte.

business-on.de: …und was tut sich außer Tourismus noch?

Wolfgang Haehn: Ringsherum passiert natürlich auch noch viel. So entstehen in Saigon riesengroße Baumärkte, in denen, anders als bei uns, 60 bis 70 Firmen unter einem Dach ihre Produkte anbieten. Einkaufszentren nach amerikanischem Vorbild wachsen in den Himmel. Daneben spielen die traditionellen Großmärkte, wie man sie früher in Bangkok erleben konnte, nach wie vor eine dominante Rolle. Da bekommt man einfach alles und von sichtbar guter Qualität. Ob Haushaltswaren, Textilien, Obst, Gemüse, Fisch oder Meeresfrüchte, das Angebot auf den Märkten ist enorm. Speziell die Zucht von Garnelen oder Shrimps scheint ein wichtiger Wirtschaftszweig zu sein. Auf dem Land konnten wir beobachten, dass viele Bauern ihre Reisfelder zu Aquakulturen umgebaut hatten. Die Vietnamesen behaupten, dass sie der weltweit größte Exporteur von Krabbetieren sind. Das behaupten aber auch die Thailänder. Wer Recht hat, kann ich nicht beurteilen.


 
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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Wolfgang K. Haehn, Vorstandsvorsitzender der DAPG e.V.



 


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3 Kommentare »

22.06.07 10:07 Uhr
Anonym
Eher Deja Vu statt Doi Moi!
Leichte Verwirrung machte sich breit, als ich heute früh die www.businesss-on.de Seite aufrief. Stimmt etwas mit meiner Internetverbindung nicht?
Wenn ich mich nicht irre, dann stand das gleiche Foto mit dem gleichen Herrn vor nicht allzu langer Zeit schon einmal auf Eurer Startseite. Nur sprach der werte Experte damals nicht über Vietnam sondern über Indien – spannend!
Da stellen sich mir folgende Fragen: Handelt es sich bei dem offensichtlichen Fotomangel um ein Versehen, Zeitnot, um schlichtes Desinteresse oder sind in der Redaktion Gesprächsthemen bzw. –partner rar? Kann es nur der Eine oder soll es nur der Eine sein?
24.06.07 14:01 Uhr
Bäck
Déjà vu
Hallo Anonymer, sorry, dass ich erst so spät auf Ihren Kommentar antworte - hab einen neuen Computer bekommen und die Installation hat sich hingezogen.

Aber nun zu Ihren Einwänden: Mit dem Bild das war mir wirklich nicht aufgefallen, liegt wahrscheinlich zu lange zurück. Werd sehen, dass ich ein anderes bekomme. Thema Vietnam hatten wir noch nicht und dass das nun der gleiche Herr ist, der bereits über Indien interviewt wurde, ist das so schlimm??? Für unsere Lesergruppe sind praktische Erfahrungen von wertvollem Interesse. Vielleicht haben Sie ja auch eine spannende Geschichte, dann melden Sie sich doch bei mir: baeck@euroart-marketing.de.
24.06.07 17:50 Uhr
Axel S.
Fachinterview
Die DAPG Deutsche Asea Pacific Gesellschaft, ist halt nun mal ausgemachter Experte aller Asien Fragen. Wieso sollte man daraus keine Reihe machen und zweimal berichten? Das sehe ich als Stammleser nicht so eng. Das mit dem Foto finde ich persönlich auch nicht schön da hat man wirklich dass Gefühl man kramt einen alten Artikel auf die Startseite. Ansonsten geben sich die Betreiber aber sehr viel Mühe.
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