Expansionswunder REWE Group
Interview mit Regionsleiter REWE-West Joachim Ax
Köln. Die REWE Group ist einer der führenden deutschen sowie europäischen Handels- und Touristikkonzerne. Mit rund 300.000 Beschäftigten in 16 Ländern Europas erzielte er voriges Jahr einen Umsatz von knapp 50 Milliarden Euro. Das macht das Kölner Unternehmen zum zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändler. In Europa belegt die REWE Group Rang drei, weltweit sogar den siebten Platz. Zuständig für die Region West, wo die Kette im Supermarktbereich 2008 einen Umsatz von zwei Milliarden Euro erzielte und sich im Vergleich zum Vorjahr um satte sieben Prozent verbessern konnte, ist Niederlassungsleiter Joachim Ax, der business-on.de im Interview Rede und Antwort stand.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1927 hat sich die REWE Group vom genossenschaftlichen Einkaufsverbund zu einem multinationalen Unternehmen entwickelt und erfand sich in den letzten 80 Jahren stets neu, ohne dabei ihre Wurzeln zu vergessen. So reagierte der Vorstand auf die Herausforderungen eines zunehmend internationalen Handels mit der größten Umstrukturierung in der Geschichte des Konzerns. Eine einheitliche Strategie wurde entwickelt und die neue Dachmarke "REWE Group" eingeführt, die die langjährige Tradition mit den modernen Anforderungen an einen internationalen Konzern verbindet.
Wie das zu schaffen ist und vor allem, wie man als Lebensmittelhändler mit Hilfe sportlicher Mitstreiter düsteren Wirtschafts- und Konsumprognosen nicht nur trotzt, sondern auch eine weitere Expansion zur beschlossenen Sache erklärt, besprach business-on.de mit Joachim Ax, dem Niederlassungsleiter der Region West:
business-on.de: Herr Ax, beinahe täglich liest man von neuen Expansionstaten der REWE Group. Erst im März wurden die 245 von der Metro Group übernommenen Extra-Märkte auf die nationale Marke „REWE“ umgestellt, und Mitte April eröffneten neue REWE- und PENNY-Märkte im Einkaufszentrum Hermülheim in Hürth. Ist das Vorreiter-Ziel nicht schon längst erfüllt?
Im Handel gilt nach wie vor: „Stillstand ist Rückschritt“
Joachim Ax: Zunächst müssen wir die Zahl korrigieren. Mit den Franchise-Märkten „Comet“ und „Bolle“, die ebenfalls zum Metro-Paket gehören, haben wir 306 Märkte übernommen. Im Handel gilt nach wie vor: „Stillstand ist Rückschritt“. Wachstum und Expansion sind wichtig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Neue Märkte bedeuten gleichzeitig auch neue Arbeitsplätze. 2009 planen wir in Deutschland 114 zusätzliche REWE-Supermärkte und 160 PENNY-Filialen. Insgesamt sollen 9000 Stellen geschaffen werden.
business-on.de: Die viel beklagte Krise scheint bei Ihnen nicht angekommen zu sein…
Joachim Ax: Die Realisierung von Expansionsobjekten hat in der Regel eine Vorlaufzeit von zwei bis drei Jahren. Es wäre falsch, noch in die Krise hineinzuplanen. Statt dessen handeln wir antizyklisch und investieren mehr denn je in die Modernisierung unseres Marktnetzes und in neue Standorte. Die Devise heißt Expansion mit Augenmaß. Es geht um qualitativ hochwertige Standorte und um profitables Wachstum. Tatsächlich ist die Finanzkrise aber im Lebensmitteleinzelhandel noch nicht in dem Maße spürbar wie in anderen Branchen. Es ist jedoch zu beobachten, dass Kunden häufiger zu günstigeren Eigenmarken greifen.
business-on.de: Haben Sie sich bereits im Vorfeld Gedanken darum gemacht, wie Sie unbeschadet aus dem Wirtschaftstief herauskommen können? Immerhin wurde schon frühzeitig davor gewarnt.
Joachim Ax: Ein Sprichwort lautet: „Schlechte Zeiten sind gut für gute Unternehmen“. Eine Krise bringt schlechte Führungs- und Unternehmensqualitäten gnadenlos ans Licht. Wir sind bei der REWE gut aufgestellt: Wir haben eine strikte Qualitätsorientierung, verfügen über moderne, erfolgreiche Marktkonzepte und haben sehr gute, motivierte Mitarbeiter. So sehen wir in der Krise auch eine Chance - etwa um den ruinösen Preiskampf im Lebensmittelhandel zu beenden. Der bedeutet pure Wertevernichtung und führt statt zu einem Imagegewinn zu einem Imageschaden für die gesamte Branche. Hier ist ein Umdenken gefordert.
business-on.de: Oft ist über einen Mix aus Tradition und modernen Strategien zu lesen. Was genau ist unter der Phrase zu verstehen? Und inwieweit ist die Mischung in Krisenzeiten hilfreich?
Joachim Ax: Wir verstehen das keineswegs als Phrase, sondern für uns als genossenschaftliches Unternehmen mit vielen selbständigen REWE-Kaufleuten und eigenen Marktmanagern ist diese Mischung von wesentlicher Bedeutung: Es bedeutet, traditionelle Werte wie Kundennähe oder Bedienungsqualität sinnvoll mit den Errungenschaften modernster Technik zu verbinden. Die Kunst ist es, den Spagat aus Fortschrittlichkeit und Bodenständigkeit zu schaffen. Wir müssen trotz aller moderner Strategien für die Kunden erlebbar und nachvollziehbar bleiben.
Wir versorgen Kunden mit Mitteln zum Leben, das ist zunächst eine ganz grundsätzliche Aufgabe. Dazu kommen gesellschaftliche Themen und Trends wie Bio, Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein oder Gesundheit, die Unternehmensstrategien stark beeinflussen. All das dürfen aber keine Sprechblasen sein, sondern man muss es im Markt direkt erleben können. So wie unsere Best-Alliance-Produkte, die für sozial- und umweltverträglichen Vertragsanbau stehen. So entwickelt der Kunde auch Vertrauen. Und loyale Kunden sind in Krisenzeiten wichtig.
business-on.de: Kürzlich meldete die REWE Group ein Umsatzplus von elf Prozent. Das ist auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten deutlich besser als der Gesamtmarkt und widerlegt die These, dass deutsche Konsumenten auch an Lebensmitteln sparen. Wie locken Sie die Verbraucher - vorbei an den zahlreichen Discountern – an, und wie heben Sie sich vom Wettbewerb ab?
Joachim Ax: Zunächst sind Discounter und Supermärkte zwei verschiedene Modelle, die sich grundsätzlich voneinander unterscheiden, aber im Angebot ergänzen. Discounter führen rund 1.000 bis 3.000 Artikel, Supermärkte 15.000 bis 35.000. Der Kunde hat dementsprechend unterschiedliche Erwartungen. In einem Discountmarkt erwartet er vor allem „billig“. Von einem Supermarkt erwartet er mehr. Und dieses „Mehr“ bieten wir ihm - mit großzügigen Bedienungstheken, mit Produkten aus der Region, mit direkter Ansprache durch freundliche Mitarbeiter, mit einem Marktplatzcharakter. Hinzu kommen lange Öffnungszeiten von 7 bis 22 Uhr und zahlreiche Serviceleistungen, die den Einkauf bequemer machen.
Darüber hinaus engagieren sich zahlreiche Märkte vor Ort in sozialen Projekten. Wir haben eine Kompetenz in Ernährungsfragen und geben sie an Schulen, Kindergärten oder andere soziale Einrichtungen weiter. Die Kunden spüren, dass sie sich auf das Markenversprechen der REWE verlassen können.
business-on.de: Auch der kleine Bruder der REWE-Märkte, der Discounter PENNY, setzt auf Expansion und ist in Tschechien und Ungarn sogar Marktführer. Wie viele neue Märkte sind in unserer Region geplant?
Joachim Ax: Die Planung 2009 sieht für die Region West 41 neue PENNY-Filialen vor. Dabei handelt es sich in zehn Fällen um Verlagerungen im Rahmen der Modernisierung des Filialnetzes.
business-on.de: In Köln ist die REWE Group mit rund 4.000 Mitarbeitern und mehr als 130 Märkten einer der bedeutendsten Arbeitgeber der Rheinmetropole. Was macht für Sie die Domstadt als Wirtschaftsstandort her?
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