16.05.2008  10:18 Uhr

Wirtschaftsclub Köln
Mindestlohn ist sinnvoll?

Köln. Einig war man sich, dass der Mindestlohn für alle betroffenen Berufsgruppen kommen wird. Schließlich werden die Weichen bereits von der EU gestellt. Die Positionen für oder gegen den Mindestlohn wurden auf der vom Wirtschaftsclub Köln veranstalteten Podiumsdiskussion im Dom Hotel mit unterschiedlichen Argumenten verteidigt.

Im Podium zum Thema Mindestlohn diskutierten Bernhard Nordhausen, Geschäftsführer Landesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks Köln, Alfred Schultz, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD Köln, Artur Tybussek, Geschäftsführer der Fleischerei-Innung Köln und Vizepräsident Zentralverband gewerblicher Verbundgruppen, Dr. Wolfgang Uellenberg-van Dawen, Chef des DGB-Bezirkes Köln. Die Veranstaltung wurde von Michael Kranz, Chefredakteur „Wirtschaftsblatt", moderiert.

Alfred Schultz wies auf die hohe Anzahl von gering qualifizierten Arbeitskräften im Einzelhandels- und Dienstleistungssektor hin, mit wenig Bildung und geringen Einkommen, die wenig konsumieren und von Altersarmut bedroht sind. Für diese Schicht ist seiner Ansicht nach die Einführung von Mindestlohn sinnvoll. Als wichtige Maßnahmen fordert er bessere Bildung und zusätzliche Qualifikationen.

 

Auch Bernhard Nordhausen hob die Notwendigkeit von Mindestlöhnen für gering qualifizierte Arbeitskräfte hervor, von denen es aus seiner Ansicht auch in Zukunft eine hohe Anzahl geben wird. Da immer mehr Arbeitskräfte aus Osteuropa mit Dumpinglöhnen auf den deutschen Arbeitsmarkt drängen, hält er es für notwendig, das Niveau zu halten. Die Einführung von Mindestlöhnen im Gebäudereinigungssektor war daher seiner Ansicht nach ein Schritt in die richtige Richtung.

Hingegen sah Artur Tybussek für den Mittelstand eine Gefahr in der Einführung von Mindestlöhnen. Für ihn ist auch kein direkter Zusammenhang zwischen geringer Qualifikation und mangelndem Konsum ersichtlich. Er wies darauf hin, dass schon heute durch die Aufstockung mit dem Arbeitslosengeld II eine staatliche Subventionierung von gering Verdienenden erfolgt. Seiner Ansicht nach sind die zahlreichen geltenden Tarifverträge ausreichend. Eine weitere Einflussnahme des Staates auf das Tarifgefüge sieht er – auch im Hinblick auf zukünftige parteiliche Interessen – sehr kritisch. Der Mindestlohn stellt seiner Ansicht nach eine Gefährdung der neuen, auch auf der Hannovermesse propagierten Produktivität dar. Er verhindere außerdem die Entstehung neuer Geschäftsfelder.

Dr. Uellenberg-van Dawen sah im Gegenteil bei Nicht-Einführung von Mindestlöhnen eine Gefahr für den Mittelstand. Auch wies er auf die staatliche Belastung der Aufstockung von Niedriglöhnen durch Subventionen hin, weil sie mit Steuergeldern gedeckt werden müssen.

Übereinstimmung herrschte darin, dass Mindestlöhne keine optimale Lösung sind, dass sinnvolle Alternativen jedoch schwer zu entwickeln sind. Einig waren sich die Podiumsteilnehmer darin, dass der Mindestlohn in vielen Branchen kommen wird, jedoch der Einfluss des Staates in diesen Fragen zurückgehen solle und die Tarifparteien gestärkt werden müssen.

Christian Kerner wies abschließend darauf hin, dass der Wirtschaftsclub Köln das Thema aufmerksam verfolgen werde. Er hofft, dass Mindestlöhne nicht zum Wahlkampfthema werden.


 

(Christian Kerner)

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Wirtschaftsclub Köln e.V.
Bild Nr. 2 © v.l.n.r.Marc Kurtenbach, Alfred Schulz, Bernhrad Nordhausen, Michael Kranz, Dr.Wolfg Uellenberg-van Dawen, Arthur Tybussek, Christian Kerner (Foto by Ioannis Golias)



 


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